Der Roboter ist im Anmarsch

Roboter werden allmählich so intelligent, dass sie den Menschen verschiedene Aufgaben aus den Händen nehmen können. Dennoch können Roboter noch nicht überall eingesetzt werden. Die Logistik ist für sie ein schwieriges Umfeld zum Lernen.

Willkommen auf dem automatisierten Terminal von RWG im Rotterdamer Hafen. Die Containerterminals von APMT und RWG auf der Maasvlakte 2 sind die am meisten automatisierten Terminals der Welt. Sie funktionieren größtenteils autonom und mit Fernantrieb. Niels Dekker vom Containerterminal RWG erläutert: “Containerschiffe sind im letzten Jahrzehnt immer größer geworden und können mehr Container befördern. Damit diese Schiffe schnell und effizient abgefertigt werden können, wurde unser Terminal entwickelt. Es wurde vor Kurzem eröffnet und hat eine Kapazität von 2,35 Millionen TEU.“

Drone-Schiffe

Die treibende Kraft hinter einem automatisierten Terminal ist künstliche Intelligenz. Dabei handelt es sich um Geräte, die (menschliche) Intelligenz zu Tage legen. Und zwar in verschiedenen Formen und Varianten. Die Schifffahrt innoviert mit unbemannten und ferngesteuerten Schiffen. So arbeitet der Engineering-Konzern Rolls-Royce gerade an Frachtschiffen, die ohne Besatzung fahren und vom Land aus ferngesteuert werden können, den sogenannten Drone-Schiffen. Sie können sicherer, kostengünstiger und effizienter eingesetzt werden als ein Schiff mit Besatzung.

Auf dem RWG-Terminal ist fast alles automatisiert. Das Laden und Löschen der Schiffe verläuft vollautomatisch. „Unsere Prozessoperatoren überwachen die Kranbewegungen vom Büro aus“, so Dekker. Ein Kran hebt einen Container aus dem Schiff und setzt ihn auf ein automatisches Fahrzeug. „Das sind unsere Automated Guides Vehicles (AGV), die den Transport ins Depot übernehmen. Sie sind unbemannt, vollautomatisiert und erkennen selbst, wann ihr Akku fast leer ist. Dann fahren sie zur Akku-Wechselstation und bekommen dort von einem Roboter einen neuen Akku.“

Unsere AGV erkennen selbst, wann ihr Akku fast leer ist. Dann fahren sie zur Akku-Wechselstation und bekommen von einem Roboter einen neuen Akku.

Niels Dekker, RWG

Robotik und Computersysteme werden somit im Logistikbereich immer wichtiger. Markus Kückelhaus ist Vize-Präsident Innovation & Trend Research beim Logistikunternehmen DHL, das in mehr als 220 Ländern aktiv ist. „Die Art und Weise, wie Menschen über Roboter denken, ändert sich stark. Unternehmen interessieren sich immer mehr für Roboter - man findet schneller Investoren. In den ersten 5 Monaten von 2015 lagen die Gesamtinvestitionen in Roboter bereits höher als im gesamten Jahr 2014. Die Automatisierung des Logistiksektors verläuft in Schritten. Zuerst wird es Roboter geben, die Menschen bei der Arbeit unterstützen.“

11 bis 24 Kilometer

Die Vorteile des Roboters liegen auf der Hand. Sie können gefährliche Aufgaben vom Menschen übernehmen, finden monotone, repetitive Arbeit nicht schlimm und arbeiten effizienter, präziser und kräftiger als Menschen.
Kückelhaus: “Mitarbeiter im Lagerhaus laufen pro Schicht etwa 11 bis 24 Kilometer. Wenn Roboter die Produkte zum Menschen bringen würden, bräuchten sie viel weniger zu laufen.“ Weltweit wird die Arbeit in Lagerhäusern noch zu 80% von Menschen ausgeführt. DHL gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der Lagerautomatisierung. „15% unserer Lager werden mechanisch angesteuert.“

Wie schwierig ist es eigentlich, einen Roboter Pakete schleppen oder Schiffe löschen zu lassen? „Ganz schön schwierig“, antwortet Kückelhaus. “Güter gibt es in unterschiedlichen Maßen und Gewichten. Menschen können gut einschätzen, um welche Ladung es sich handelt, und wie viel Kraft sie benötigen, um ein Paket aufzuheben. Einem Roboter kann man das schwierig beibringen. In der Automobilindustrie setzt man
Roboter für sich wiederholende Aufgaben ein, wie zum Beispiel das Andrehen einer Schraube. In der Logistik sind jedoch die Aufgaben pro Paket unterschiedlich.“ Zu Logistikzwecken könnte man einen speziellen Roboter entwickeln, der für einen bestimmten Kunden immer ein bestimmtes Paket transportiert. Wenn aber der Vertrag mit diesem Kunden ausläuft, bleibt man auf einem wertlosen Roboter sitzen.

Und es gibt weitere Herausforderungen, bevor der Roboter auch im Logistikbereich zum Erfolg kommen kann. Kückelhaus: “In der Logistik handelt es sich um Transport. Die Roboter müssen sich also bewegen können. Sie müssen verstehen, in welchem Umfeld sie operieren, damit sie nicht mit anderen Objekten zusammenstoßen. Glücklicherweise gibt es immer mehr Innovationen in der Kameratechnologie und bei den Sensoren, mit denen Roboter erkennen können, mit welchem Produkt sie es zu tun haben.“

Häfen sind die idealen Testumgebungen für Roboter. Ein Hafen ist ein kontrolliertes Gebiet mit viel Platz.

Markus Kueckelhaus, DHL

Roboter Sawyer

DHL experimentiert zur Zeit mit dem Roboter Sawyer von Rethink robotics. “Dieser Roboter arbeitet mit Menschen zusammen. Er lernt, indem er Menschen nachahmt. Wir bewegen seine Arme, damit er versteht, was er machen soll.“ Der Roboter befindet sich noch im Testbetrieb.

Robot Sawyer van Rethink Robotics

Viele Innovationen im Bereich der künstlichen Intelligenz und Roboter werden von Startups entwickelt.
“Startups sind sehr kreativ und inspirieren damit auch bestehende Unternehmen, die auf Innovation setzen“, erläutert Emile Hoogsteden, Direktor Container, Breakbulk & Logistics beim Hafenbetrieb Rotterdam. “Als Hafenbetrieb Rotterdam versuchen wir, Startups bei der Entwicklung zu helfen, indem wir in Beschleunigungsprogramme, Fonds und Standorte investieren.“ Im vergangenen Jahr lancierten der Hafenbetrieb Rotterdam und YES!Delft das Programm Port Innovation Lab. Neun Hafen-Startups sind momentan dabei, ihre Businessidee auszuarbeiten.

Laut Kückelhaus sind Häfen die idealen Testumgebungen für Roboter. „Ein Hafen ist ein kontrolliertes Gebiet mit viel Platz, in dem man selbst das Umfeld des Roboters bestimmen kann. Ganz anders als bei selbststeuernden Autos, die das öffentliche Straßennetz benutzen.“

Dennoch wird es noch dauern, bis man überall im Logistikbereich Roboter sieht. Kückelhaus: “Die heutigen Roboter können hauptsächlich einfache Aufgaben übernehmen. Sie können zum Beispiel das Wohnzimmer staubsaugen oder den Rasen mähen. Diese Entwicklung wird man auch im Logistikbereich sehen. Wahrscheinlich wird es zuerst Roboter geben, die Lagerhäuser reinigen.“ Nach Einschätzung von Kückelhaus wird es noch 5 bis 10 Jahre dauern, bis Roboter komplexe Aufgaben übernehmen können. „Beim Handy ist es aber auch sehr schnell gegangen“, fügt er hinzu. “Vor 20 Jahren hat niemand jemals vom Smartphone gehört. Heute können die Kinder sich eine Welt ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Genauso wird es der nächsten Generation mit Robotern gehen.“

Robotik: dieser Artikel ist Teil 2 einer Serie über Innovationen, welche die Zukunft des Hafens und des Transportbereichs beeinflussen können. Alle Artikel, Videos und Infografiken stehen Ihnen hier zum Download und zur freien Verwendung bereit.

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