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Autonomous Shipping: Nicht die Entwicklung verpassen

Das norwegische Unternehmen Yara baut derzeit ein komplettes elektrisches Containerschiff mit einem autonomen Steuerungssystem, die Yara Birkeland. Bei einem großen maritimen Kongress, den ich vor kurzem besuchte war ich sehr erstaunt: Dort sprachen die Besucher, ca. 200 Führungskräfte aus dem maritimen Sektor, vor allem über die Risiken des Autonomous Shipping. Einwände und Zweifel hörte ich von allen Seiten. Was, wenn der Computer ausfällt? Vielleicht verständlich, denn der Sektor steht durch große internationale Konkurrenz und geringe Gewinnspannen unter Druck.

Mare Straetmans
Hauptgeschäftsführer PortXL

Chance anstatt Risiko
Bereits bestehende Unternehmen haben einen bestimmten Umsatz. Sie sehen, dass neue Konkurrenten auf den Markt kommen, was ihnen nicht sonderlich gefällt. Doch die Gefahr, wenn man in Risiken denkt, besteht darin, dass man buchstäblich die aktuellen Entwicklungen verpasst. Ein schönes Beispiel ist Kodak, das Unternehmen, das als erstes eine Digitalkamera entwickelte. Kodak sah die Digitalisierung der Fotografie, die kurz später weltweit in Gang gesetzt wurde, als Bedrohung des vorhandenen Geschäfts und stieß diesen Zweig ab, woraufhin 2012 ein Insolvenzantrag folgte (2013 führte Kodak das Unternehmen fort.) Daher sage ich: Drehen wir es um und betrachten Autonomous Shipping als Chance anstatt als Gefahr.

Sparsamerer Transport
Die Chancen liegen zum Ergreifen nah. Man kann neue Geschäfte entwickeln, indem man neue Schiffe auf den Markt bringt oder Kosten bei den derzeitigen Schiffen einsparen. Durch autonome Steuerungssysteme kann man auch die Risiken beschränken. Ich denke, dass die Versicherungsprämie gesenkt werden kann, denn es kommt zu weniger Kollisionen. Zudem fährt man mit Autonomous Shipping sparsamer: Ein Mensch fährt durchschnittlich weniger sparsam als eine Maschine, denn Menschen haben Stimmungen und Wünsche. Computer hingegen rechnen die optimale Route aus.

Besatzung
Auch beim Autonomous Driving gibt es Entwicklungen, angefangen beim „autonomen“ rückwärts Einparken. So erwarte ich auch, dass es mit dem Autonomous Shipping laufen wird, nämlich schrittweise. Zudem lässt sich Autonomous Shipping auf dem weiten Ozean vermutlich einfacher realisieren als Autonomous Driving in einem Viertel mit spielenden Kindern. Die Besatzung bleibt auf dem Schiff notwendig, doch sie wird mehr Zeit für Dienstleistung und wichtige Aufgabenbereiche wie Sicherheit haben.

Innerhalb von 3 Jahren?
Meine Empfehlung: Probieren wir es aus! Oceanos kann dabei unterstützen. Dieses Start-up installiert nun ein Autonomous Shipping System, das man vor kurzem für bestehende Schiffe mit einer Länge von 2 bis 33 m entwickelt hat. Ich bin gespannt, wann ein (teilweise) autonom fahrendes Schiff mit einer Länge von 100 m in den Rotterdamer Hafen einfährt. Meine Einschätzung? Innerhalb von drei Jahren.

PortXL ist ein 100-tägiges offenes internationales Innovationsprogramm, bei dem 10 ausgewählte Start-ups von Mentoren intensiv bei der Umsetzung ihrer Unternehmensneugründung betreut werden. Sie haben Zugang zu einem Netz von mehr als 150 Mentoren, Investoren und Corporate Partnern. Der Accelerator (Beschleuniger), eine gemeinsame Initiative von Van Oord, EY, dem Hafenbetrieb Rotterdam, Erasmus Centre for Entrepreneurship, Vopak, Uniper, Rabobank, Port of Rotterdam Fund, Thales, Rotterdam/The Hague Airport, City of Rotterdam, InnovationQuarter und Boskalis, richtet sich spezifisch auf die Industrie mit Bezug zum Hafen.

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