Digitalisierung

Column Hafenmeister René de Vries: über Pferdemist und Digitalisierung

03 Juli 2019
Wie können wir Ihnen helfen?

Wenn es um das Thema Digitalisierung geht, muss ich immer an die Story vom britischen Journalisten der Times denken, der 1894 einen Artikel über die ‚Große Pferdemistkrise‘ schrieb. Seinerzeit fand beinahe der vollständige Transport noch zu Pferde statt und daher sagte er voraus, dass, wenn die Bevölkerung und die Aktivitäten in der Stadt in gleicher Weise weiter wachsen würden, alle Straßen Londons innerhalb von fünfzig Jahren mit einer drei Meter dicken Schicht Pferdemist bedeckt sein würden.

Hafenmeister René de Vries
René de Vries

Ach ja: „Prognosen sind schwierig, sicherlich wenn es um die Zukunft geht.“ Wenn ich nicht irre, ist das ein Ausspruch des dänischen Physikers Niels Bohr. Aber einer Sache bin ich mir vollständig sicher. Der Megatrend, der Digitalisierung heißt, ist unumkehrbar. Die mit der Digitalisierung verbundene Einsicht und Transparenz ermöglicht Prozesse, die so viel effizienter sind, dass eine ökonomische Gesetzmäßigkeit lehrt, dass dies die Zukunft ist. Und das wird von uns unterstützt.

In diesem Zusammenhang sind bei uns Projekte in verschiedenen Stadien im Gange. Das Havenmeester Management Informatiesysteem funktioniert beispielsweise bereits eine Zeit lang als digitales Netzwerk. Mit der Port Call-Optimierungsinitiative Pronto sind die bislang erzielten Ergebnisse vielversprechend und ja, wir bereiten uns bereits darauf vor, intelligentere Schiffe willkommen zu heißen, die mit Hilfe von Sensoren zunehmend autonomer operieren können. Schon bei unserer Gründung haben wir uns darauf konzentriert, das Höchstmögliche aus dem Rotterdamer Hafen herauszuholen. Die mit der Digitalisierung verbundenen Chancen nutzen wir daher auch in vollem Umfang. Es versteht sich von selbst, dass die Sicherheit dabei eine absolute Rahmenbedingung darstellt.

Die Praxis jedoch kann ziemlich widerspenstig sein. Der Erfolgsfaktor bei der Digitalisierung heißt Teilen bzw. Austauschen - es geht darum, Informationsflüsse miteinander zu verknüpfen. Die erste Herausforderung besteht somit darin, Systeme miteinander in Kontakt zu bringen, damit sie kompatibel werden. Innerhalb unserer eigenen Organisation ist dies bereits eine große technische Aufgabe, geschweige denn, diese Verbindung mit Systemen anderer Organisationen und Unternehmen herzustellen.

Diese Herausforderung kann jedoch noch nicht im Schatten der zweiten Herausforderung stehen. Dabei geht es nämlich um die Frage, wie man die Akteure dazu bringt, die Informationen, die sie haben, tatsächlich mit anderen Parteien in der Kette zu teilen. Einerseits beruht diese Zurückhaltung auf der Angst, ins kalte Wasser zu springen sowie auf Wettbewerbsüberlegungen. Auf der anderen Seite gibt es Akteure die befürchten, dass sie durch die Transparenz der Digitalisierung überflüssig werden. Und das ist meiner Ansicht nach zu Recht. Diese Akteure müssen jedoch auch begreifen, dass sie in diesem größeren Prozess keine unüberwindbare Hürde darstellen. Wie dem auch sei - die Interessen sind verteilt.

Dies ist das Spielfeld, auf dem der Aspekt der Sicherheit, wie beim Begriff ‚security‘, auch noch eine wichtige Rolle spielt. Und in diesem Bereich haben wir bereits große Fortschritte gemacht. Dabei ist es noch nicht einmal so lange her, dass die gelben Haftnotizzettel mit den

Passwörtern an unseren Computerbildschirmen festgeklebt wurden. Diese Zeit ist jedoch vorbei. Cyber Security ist von grundlegender Bedeutung für das Vertrauen in das System. Dessen sind wir uns in gebührendem Maße bewusst. Und damit sind wir auch beim Kern der Sache angekommen. Die Digitalisierung erfordert, dass man an den technischen Herausforderungen, am Bewusstseinswandel der beteiligten Akteure arbeitet und gleichzeitig ein sicheres und robustes System gewährleistet. Das ist, um mit Paul McCartney zu sprechen, eine ‚long and winding road’. Aber es die einzige Route, die in die Zukunft führt.

Whitepaper: 'Move forward: data as fuel for the digital port'

Was ist der Zweck der Datenweitergabe und wie gehen Sie damit optimal um? Wie binden Sie die Hafengemeinschaft in diese Entwicklungen ein und wie gewährleisten Sie die Zuverlässigkeit der Daten, mit denen Sie arbeiten? Welche weiteren technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte spielen eine Rolle? Antworten auf diese Fragen finden Sie in unserem Whitepaper "Move forward: data as fuel for the digital port". (nur auf Englisch)