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Crew- und Schiffsmanagement-Software-Start-up wächst in Rotterdam

Die Besatzung eines Schiffs macht sechzig Prozent seiner Betriebskosten aus - Kraftstoffkosten mal außer Acht gelassen. Es geht um hohe Beträge, die meistens wenig beachtet werden. Sofoklis Papasofokli erstaunt es immer wieder. „Die meisten Unternehmen betrachten diese Kosten als eine Fixgröße. Als ob es sich nur um feste Gehälter und Sozialversicherungsabgaben handeln würde“, erzählt der CEO des zypriotischen Start-ups RadiantFleet. Die Plattform RadiantFleet macht das Bemannen von Schiffen effizienter und kostengünstiger.

Zwanzig Prozent aller Schiffe in der Welt werden von Zypern aus verwaltet. Papasofokli hat jahrelang bei einer der zahlreichen Schiffsmanagement-Gesellschaften auf der Insel gearbeitet. Mit den eigenen Augen hat er gesehen, wie viel Zeit und Geld mit ineffizienter Organisation verschwendet werden. RadiantFleet soll damit Schluss machen. „Nehmen Sie zum Beispiel alleine schon die Kommunikation mit den Mitgliedern der Schiffsbesatzung. Die läuft hauptsächlich über E-Mail, was viel Zeit kostet und wobei viele Informationen im Posteingang verlorengehen. Oder denken Sie an Verträge, die oft noch manuell mithilfe einer Wordvorlage erstellt werden. Das führt zu teuren Fehlern, zum Beispiel aufgrund falscher Verweise zu Versicherungsbedingungen. Wir arbeiten an einer integralen Plattform, die die Kommunikation mit allen Beteiligten verbessert und unnötigen Fehlern vorbeugt“, erläutert Papasofokli.

Gegenwärtig bietet der Markt kein integriertes Softwaresystem, welches Schiffsmanagement-Gesellschaften mit allen Partnern verbindet. Die Plattform RadiantFleet leistet genau das. Sie verbindet Schiffsmanager mit Eigentümern, Agenten, Besatzungsmitgliedern, Reisebüros und internen Systemen. Auf einen einzigen Knopfdruck können Benutzer sämtliche relevanten Informationen den Mitgliedern der Schiffsbesatzung zur Verfügung stellen. Mit einem weiteren Knopfdruck erstellen sie die Gehaltsabrechnung, ohne erst die Vertragsinformationen abtippen zu müssen. Dank einer Schnittstelle zu einem Reisebüro buchen sie schnell und einfach die Tickets, die die Mitglieder der Schiffsbesatzung brauchen, um an ihren Bestimmungsort zu kommen. „Die Plattform vermittelt im Vorfeld einen Einblick in die Kosten und macht Prozesse einfacher, indem sie sie automatisiert. Das führt zu Kostenersparnis und senkt die Arbeitsbelastung. Darüber hinaus können automatische Prüfmomente eingebaut werden. Verfügen die Besatzungsmitglieder über die richtigen Papiere? Haben Sie die richtigen Visa? Das beugt Diskussionen im Nachhinein vor. Benutzer haben auf diese Weise mehr Zeit für Dinge, die tatsächlicher Aufmerksamkeit bedürfen“, erzählt Papasofokli.

Erster Kunde dank PortXL

Gemeinsam mit seinem Bruder Marios hat Papasofokli im Herbst 2014 angefangen, seine Ideen bezüglich einer effizienten Crew- und Schiffsmanagementplattform zu formulieren. Nach zwei Jahren harter Arbeit in den Abendstunden wurden Ende 2016 die Konturen der Plattform sichtbar. Dieses Jahr folgte die Anerkennung auf dem Markt, auch dank der Teilnahme an PortXL, dem Start-up-Programm in Rotterdam. „Warum wir als ein zypriotisches Start-up nach Rotterdam gekommen sind? Weil man hier die wichtigsten Entscheider treffen kann. PortXL hat uns ermöglicht, in kurzer Zeit ein großes Netzwerk aufzubauen. Das führte zu unserem ersten Kunden, den wir jetzt implementieren: Clearwater Ship Management aus Rotterdam. Darüber hinaus haben wir unsere Ideen einer großen Zahl von Experten vorlegen können, was zu wertvollem Feedback geführt hat“, erzählt Sofoklis.

Letzten Sommer folgte ein weiterer Höhepunkt - der Beitritt der Indofin Group als Gesellschafter. Die Investmentgesellschaft der Rotterdamer Familie De Bruin verleiht RadiantFleet Stabilität und steht den Brüdern Papasofokli auch mit Rat und Tat zur Seite. Die Indofin Group investiert normalerweise nicht in Start-ups, hat jedoch für RadiantFleet eine Ausnahme gemacht. „RadiantFleet ist eines von wenigen Start-ups mit einem starken Leistungsversprechen. Sie bieten mehr als nur ein tolles Produkt und wissen, wie sie die Wertschöpfung ihrer Kunden steigern können. Kostenersparnis beginnt mit der Einsicht in die Kosten und einer einfachen, effizienten Planung. Dadurch, dass sie zum Beispiel sämtliche Informationen aus den Arbeitsverträgen digital erschließen, ist es möglich, im Vorfeld genau vorauszusagen, wie viel die Besatzung eines Schiffs kosten wird. Das versetzt die Schiffsmanagement-Gesellschaften in die Lage, ihre Finanzen zu planen und proaktiv zu handeln“, erzählt Hiltjo van Dam, der im Namen der Indofin Group die Rolle des nicht geschäftsführenden Direktors bei RadiantFleet übernommen hat.

Drei Produktlinien

Gemeinsam mit der Indofin Group hat RadiantFleet eine Zukunftsvision entwickelt, die auf drei Produktlinien basiert. Die erste Produktlinie ist jetzt reif für den Markt: die Plattform, mit der Crew- und Schiffsmanagement-Gesellschaften die Schiffsbesatzung organisieren können. Gegenwärtig wird hart an der zweiten Produktlinie gearbeitet, die sich auf die Wartung von Schiffen richtet. Dafür wird die Plattform von RadiantFleet erweitert, damit es möglich wird, mit den Wartungspartnern Daten zu teilen und Wartungsprozesse zu straffen. Die Erstellung eines Plans, bei dem Monteure und Ersatzteile in einem Hafen zum gleichen Zeitpunkt eintreffen wie das Schiff, ist gegenwärtig oft noch äußerst komplex. „Diese Produktlinie sollte 2018 fertig sein. Im Jahr 2019 folgt eine dritte Produktlinie, über die wir noch nichts sagen können“, sagt Van Dam, und Papasofokli ergänzt: „In fünf Jahren haben wir eine vollständige Schiffsmanagementplattform, die alle Partner der Kette miteinander verbindet.“

Da die Indofin Group ihr Vertrauen ausgesprochen und der erste Kunde unterzeichnet hat, wachsen die Erwartungen der Gründer von RadiantFleet. „Wir sind noch mit vier Kunden im Gespräch, von denen zwei in Rotterdam und zwei auf Zypern ansässig sind. Darüber hinaus sind wir zuversichtlich, dass unser Antrag auf einen Zuschuss der Europäischen Union bewilligt wird. Wir können ihn gut gebrauchen, um unser Produkt noch weiter zu entwickeln“, erzählt Papasofokli. Van Dam rechnet mit einem starken Umsatzwachstum in den kommenden zwei bis drei Jahren. „Der Schifffahrtsektor stand in den letzten Jahren unter großem Druck, was zu Kostenersparnissen auf allen Ebenen geführt hat. Es wächst das Bewusstsein, dass die Besatzung eines Schiffs effizienter gestaltet werden kann. Mit der Software von RadiantFleet sind Kostenersparnisse möglich, die die Investitionen deutlich übersteigen.“

Innovation

Rotterdam möchte der intelligenteste Hafen der Welt werden. Um unsere Spitzenposition zu behalten, müssen wir kontinuierlich innovieren. Innovation ist ein entscheidendes Mittel, um die geplanten Veränderungen bei der Energiewende und der Digitalisierung in Rotterdam zu realisieren.

Über PortXL

Das PortXL-Beschleunigungsprogramm ist ein hundert Tage dauerndes Programm für innovative Start-ups im maritimen Sektor. Die ausgewählten Start-ups bekommen intensives Coaching von erfahrenen Mentoren aus der Wirtschaft und werden auf diese Weise auf den Markt vorbereitet. Die Teilnahme an PortXL öffnet Türen zur niederländischen und internationalen Wirtschaft. 2018 wird es wieder ein Programm geben. Anmelden kann man sich noch bis zum 15. Januar 2018.

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