Die bedauerliche Wahrheit: Indonesiens neue Normalität ist ohne Tourismus

25 Juni 2020
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Connecting the world: Implikation des Covid-19-Virus für das indonesische Geschäftsklima

Covid-19 traf Anfang 2020 Indonesien. Ähnlich wie in anderen Regionen der Welt sieht sich auch Indonesien mit den medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Virus und den anhaltenden Auswirkungen auf das tägliche Leben konfrontiert. Anfang Juni wurden in Indonesien fast 38.000 Infizierte gemeldet, während die Zahl der Toten auf 2.134 angestiegen ist. Niemand weiß, wie weit sich das Virus wirklich über diese 17.000 Inseln und 260 Millionen Einwohner Indonesiens verbreitet hat.

Blick auf Jakarta Indonesien

Auswirkungen von Covid-19 auf die Wirtschaft Indonesiens

Das Finanzministerium sagte voraus, dass Indonesien im zweiten Quartal des Jahres den größten Rückgang des Wirtschaftswachstums erleben wird. Dies ist auf die reduzierten wirtschaftlichen Aktivitäten zurückzuführen, die durch die weitreichenden sozialen Restriktionen in den meisten Provinzen des Landes bedingt sind.

Zur Milderung des wirtschaftlichen Schadens hat die indonesische Regierung eine ganze Reihe von steuerlichen und monetären Stimulierungsmaßnahmen auf breiter Front ergriffen, unter anderem die Senkung und Verzögerung der Einkommenssteuer für bestimmte Sektoren, Kreditbürgschaften, Vereinfachung des Kredit- und Zahlungsprozesses für KMU.

Die Gesamtausgaben zur Milderung der Auswirkungen von Covid-19 haben 695 Billionen IDR (US$ 49,63 Milliarden) erreicht, was ca. 4,0 % des BIP entspricht. Allerdings ist das Stimulans für Indonesien im Vergleich zu anderen Ländern wie Japan (20 % des BIP), Malaysia (17 %), Australien (16,4 %), Singapur (12 %), USA (11 %) relativ gering.

Nach der jüngsten Prognose der Asiatischen Entwicklungsbank wird die Wirtschaft um -1 % schrumpfen, was im Vergleich zu anderen Ländern ein relativ niedriger Wert ist. Auslöser dafür ist die Tatsache, dass die Wirtschaft zum Großteil vom lokalen Konsum und weniger vom Handel abhängig ist. Die Tourismusindustrie zeigt sich natürlich angeschlagen. Vorerst ist die von der Regierung angestrebte „neue Normalität" ohne Ausländer. Indonesien hat alle Touristenvisa ausgesetzt, und es ist derzeit unklar, wann sich das Land wieder öffnen wird. Für eine Insel wie Bali, auf der viele Einwohner vom Tourismus abhängig sind, ist dies ein riesiges Problem. Die Strände von Küstenstädten wie Canggu sind nach wie vor gesperrt.

Auswirkungen von Covid-19 auf Häfen und Logistik

Logistische Gesundheit und Wachstum spiegeln weitgehend das derzeitige langsame Wirtschaftswachstum wider. Der Vorsitzende der Supply Chain Indonesia (indonesischen Lieferkette) berichtete, dass das Frachtvolumen im Logistiksektor, einschließlich Transport und Lagerung, im ersten Quartal 2020 zwar um 1,27 % (gegenüber dem Vorjahr - YoY) gestiegen ist, jedoch immer noch einen Rückgang von 5,45 % beim Wachstum im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres widerspiegelt. Der Rückgang der Volumina ist größtenteils auf einen erheblichen Einbruch bei der Nachfrage nach lokalen Waren, Rohstoffen sowie industriellen Aktivitäten zurückzuführen. Das Import- und Exportfrachtvolumen ging ebenfalls zurück, vor allem aus China, das um etwa 14 % bis 18 % rückläufig war.

Unterdessen meldeten mehrere in staatlichem Besitz befindliche öffentliche Handelshäfen, und zwar Pelindo I und Pelindo III, ein volumenmäßig positives erstes Quartal. Pelindo I wickelte eine konsolidierte Gesamtmenge von 327.742 TEU ab, was einem Anstieg von 3,13 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 entspricht. Das Stückgutvolumen ging jedoch um 12,7 % zurück, was auf den verringerten Export von Rohpalmöl-Gütern CPO) zurückzuführen ist. Pelindo III meldete ebenfalls einen Anstieg des Containerverkehrs um 1,6 Millionen TEU (1 %) im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.

In der Zwischenzeit verzeichnete Pelindo II im Hafen Tanjung Priok (dem größten Hafen Indonesiens) einen Rückgang beim Containerverkehr um 4-5 %. Der Rückgang spiegelt verlangsamte Export-Import-Aktivitäten mit Indonesiens Handelspartnern wie China, Japan und den USA wider. Dies gilt für

insbesondere China mit dem höchsten Anteil am Containervolumen in Tanjung Priok. Es bleibt abzuwarten, wie die Volumenentwicklung im 2. Quartal 2020 aussehen wird.

Aktivitäten des Rotterdamer Hafens in Indonesien

Das Büro des Rotterdamer Hafens in Indonesien ist Teil des globalen Netzwerks des Hafens. Das Büro wurde 2016 als Ergebnis einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zwischen der indonesischen und der niederländischen Regierung bezüglich der maritimen Entwicklung, u. a. der Hafenentwicklung, eingerichtet.

Der Schwerpunkt des Büros des Rotterdamer Hafens in Indonesien liegt auf einer dreiseitigen Zusammenarbeit zwischen Pelindo I (indonesischer staatseigener Hafenbetrieb (SoE), der Zhejiang Seaport Group (Hafen Ningbo) und dem Rotterdamer Hafen zwecks Entwicklung eines Hafens in Kuala Tanjung, Nordsumatra. Ende 2019 wurde ein dreiseitiger Head of Agreement (eine Zusage) unterzeichnet.

Darüber hinaus fungiert das Büro als Rotterdamer Vertretung für Indonesien und die anderen Länder Südostasiens, Vietnam, Thailand, Malaysia, Singapur und Myanmar. Es geht um die Unterstützung für das Netzwerk des Rotterdamer Hafens, gleichzeitig die Suche nach Kooperations- und/oder Beratungsaufträgen in Südostasien.

Kürzlich wurde in Surabaya, Ost-Java, ein Auftrag für Pelindo III (Indonesischer staatseigener Hafenbetrieb (SoE)) zur Durchführung einer digitalen Reifegradbewertung (Digital Maturity Assessment) abgeschlossen, und mit Pelindo II (Indonesischer staatseigener Hafenbetrieb (SoE)) wurde eine Absichtserklärung (MoU) zur Intensivierung der hafenbezogenen Zusammenarbeit unterzeichnet.

Über den Verfasser

André Toet ist seit dreizehn Jahren für den Rotterdamer Hafen in verschiedenen Funktionen in Rotterdam, im Oman und jetzt in Indonesien tätig. Davor war er 23 Jahre lang in der Schifffahrt bei Maersk und dessen Vorgängern P&O Nedlloyd und Nedlloyd, an Standorten in Afrika, Asien und Europa tätig. Darüber hinaus ist André seit vielen Jahren im E-Shipping-Sektor, wie z. B. mit PortInfolink, Portbase und essDOCS, tätig.

Covid hat das Leben der Expats verändert, und André ist nach Holland zurückgekehrt. Seit Ende März 2020 arbeitet er von zu Hause aus in den Niederlanden.