Innovation
Column

„Ein intelligenter Hafen stellt sich auf die Zukunft ein“

In Rotterdam suchen wir kontinuierlich eine Antwort auf die Frage, wie man den Hafen intelligenter, effizienter, besser und nachhaltiger gestalten kann. Wie gehen Partner im Hafen mit diesem Aspekt um, warum und was hätten sie selbst besser machen können?

Elisabeth van Opstall

Elisabeth van Opstall, Geschäftsführerin SmartPort

SmartPort ist eine neutrale Wissensplattform, die wissenschaftlich innovative Forschung initiiert und finanziert sowie Wissen verbreitet. Das Ziel ist die Beschleunigung der Innovationen im Rotterdamer Hafen. Elisabeth van Opstall ist Geschäftsführerin.

„Nachdem ich über 10 Jahre als Steuerexpertin tätig war, kam ich zu dem Schluss, dass ich keine Spezialistin bin, jedoch inhaltlich sehr neugierig. Ich habe dann eine Tätigkeit als Beraterin aufgenommen, um einen Einblick in mehrere Branchen zu gewinnen. 2014 lernte ich die Welt des Hafens kennen, u. a. unter den Aspekten Flüssigerdgas (LNG) und nachhaltige Binnenschifffahrt. Der Rotterdamer Hafen hat eine magische Anziehungskraft, vor allem aufgrund der industriellen Prägung, des 24-Stunden-Betriebs und der Mentalität des Anpackens. Meine vom Ursprung her aus Twente stammende Sachlichkeit passt gut dazu. Außerdem beschäftige ich mich gerne mit Themen, die die Zukunft betreffen. Diese Aspekte kommen bei SmartPort zusammen; dort arbeite ich nun seit fast zwei Jahren.

Als Hafen kann man nicht abwarten, bis dies organisiert wird, denn dann begibt man sich selbst ins Aus.

Elisabeth van Opstall, Director SmartPort

Bei SmartPort untersuchen wir, wie wir den Hafen im Bereich der Logistik, Infrastruktur, Energie und Industrie zukunftsbeständig gestalten können. Dabei gehen wir nach dem Bedarf der Unternehmen vor. Wir bringen die Unternehmen mit der Wissenschaft, den wissenschaftlichen Einrichtungen und den Behörden in Kontakt. Außerdem sorgen wir dafür, dass die wissenschaftlichen Kenntnisse, die wir im Rahmen dieser Studien sammeln, nicht nur diesen kooperierenden Unternehmen wieder zugutekommen, sondern für alle Unternehmen im Rotterdamer Hafen zugänglich sind. So können sie sich vorbereiten und innovativ handeln. Die Studien konzentrieren sich auf die Langzeitprognosen für einen Zeitraum von 2030 bis 2050. Wir befassen uns insbesondere mit Trends, u. a. in den Bereichen Energiewende, Digitalisierung und Automatisierung sowie Klimaänderungen.

Daten sind das neue Gold

Ein intelligenter Hafen ist ein Hafen mit Perspektive, bei dem man ganzheitlich denkt und handelt, über die eigene Organisation hinausblickt. Ein Hafen mit Unternehmen, die neue Geschäftsmodelle entwickeln. Dies geht mit der Digitalisierung und Automatisierung einher und hat enorme Auswirkungen auf Prozesse und damit Unternehmen. Dabei hat der Partner, der über die richtigen Daten verfügt, Gold in der Hand. Wenn wir ein intelligenter Hafen werden möchten, müssen wir dafür sorgen, dass die Daten beim richtigen neutralen Partner verfügbar sind sowie sicher und in geeigneter Weise geteilt werden. Und dass die Daten für Forschungszwecke und die Beschleunigung von Innovationen in Unternehmensprozessen und -produkten genutzt werden können.

Hier gibt es ein Dilemma, denn die große Frage ist, wer künftig für die Sammlung und Bereitstellung von Daten zuständig ist. Als Hafen kann man nicht abwarten, bis dies organisiert wird, denn dann begibt man sich selbst ins Aus. Es kommt darauf an, dass man jetzt strukturiert, wer Daten organisiert und verwaltet. Meiner Meinung nach sollte nicht nur eine Marktpartei am Ruder stehen, da kommerzielle Interessen in diesem Fall über dem gemeinsamen Interesse stehen. Ich denke, dass hier den unabhängigen Behörden oder einer Kombination öffentlicher und privater Partner eine Regierolle zukommt, je nach Verfügbarkeit und Sicherheit.

Gletscher und Brücken

SmartPort blickt über die geografischen Grenzen des Rotterdamer Hafens hinaus. Tätigkeiten in der Logistikkette von Unternehmen im Rotterdamer Hafen enden nicht an der Hafengrenze. Dank unserer Verbindungen zu Forschungsinstituten und den Marktpartnern stehen uns alle erforderlichen Kenntnisse zur Verfügung. Dennoch sind manche Projekte eine Suchtour. Es ist somit klar, dass eine bestimmte Entwicklung näher kommt und Auswirkungen hat. Nicht morgen oder nächstes Jahr, sondern in Jahrzehnten. Die meisten Unternehmen sehen jedoch bei einer solchen Frist keine Dringlichkeit. Dann ist es schwierig, sie an der SmartPort-Studie zu beteiligen, d. h., dass dann keine Studie stattfindet. Es kommt darauf an, Korrekturen vorzunehmen oder den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Externe Faktoren können hier eine beschleunigende Rolle spielen.

Dennoch sind manche Projekte eine Suchtour. Es ist somit klar, dass eine bestimmte Entwicklung näher kommt und Auswirkungen hat. Nicht morgen oder nächstes Jahr, sondern in Jahrzehnten. Die meisten Unternehmen sehen jedoch bei einer solchen Frist keine Dringlichkeit.

Elisabeth van Opstall, Geschäftsführerin SmartPort

Ein Beispiel ist unser Projekt „Klimawandel und die Binnenschifffahrt“. 2017 formulierte man die Idee, den Einfluss von Hoch- und Niedrigwasserständen, die durch den Klimawandel hervorgerufen wurden, auf die Binnenschifffahrt zu erforschen. Dieses Vorhaben stieß jedoch in der Binnenschifffahrtsbranche auf unzureichendes Interesse. Bis 2018 der warme, trockene Sommer kam ... Durch Niedrigwasser geriet der Transport ins Hinterland unter Druck. Die Ladungsmengen wurden geringer, bei höheren Preisen. Inzwischen wird die Studie von den Marktparteien begrüßt. Mit Prognosen kann man sich vorbereiten, vorausgesetzt natürlich, dass Prognosen zuverlässig sind.

„Man sieht die Notwendigkeit erst, wenn ein entsprechendes Bewusstsein vorhanden ist“

Man denke beispielsweise einmal darüber nach, wie der Rhein in 50 Jahren aussehen wird. Das Wasser im Rhein stammt teilweise von schmelzenden Gletschern. Es ist eine Tatsache, dass Gletscher zurückgehen. Wenn es weniger Gletscher gibt, wird abgeführtes Regenwasser für den Wasserstand in Flüssen ausschlaggebend sein. In Rotterdam befinden wir uns am Ende der Wasserstraße. Wie geht man damit um? Sind mehr Wehre erforderlich, ein anderer Schiffstyp mit weniger Tiefgang, höhere Brücken, eine tiefere Wasserstraße? Fragen, die u. a. für das niederländische Wasserwirtschaftsamt wichtig sind, über die jedoch kaum noch nachgedacht wird. Die Abmilderungsmaßnahmen zur Verringerung oder Beseitigung negativer Auswirkungen erfordern ein internationales Vorgehen und dauern Jahrzehnte. Man sollte jedoch heute mit der Forschung beginnen. Man sieht die Notwendigkeit erst, wenn ein entsprechendes Bewusstsein vorhanden ist.“

Innovation

Rotterdam möchte der intelligenteste Hafen der Welt werden. Um unsere Spitzenposition zu behalten, müssen wir kontinuierlich innovieren. Innovation ist ein entscheidendes Mittel, um die geplanten Veränderungen bei der Energiewende und der Digitalisierung in Rotterdam zu realisieren.

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