LNG: Investition in das Huhn und das Ei

Flüssiggas oder LNG (Liquefied Natural Gas) ist ein weitaus saubererer und nachhaltigerer Kraftstoff als beispielsweise Dieselkraftstoff und Schweröl. Darüber hinaus sind LNG-Motoren leiser und stoßen kaum Schwefel- und Stickoxide aus, während ihre CO2-Emission um bis zu 20 Prozent niedriger ist. Kurzum – LNG gehört die Zukunft! Aber wie kann man einem solchen neuen Kraftstoff wirklich zum Durchbruch verhelfen? Der Rotterdamer Hafenbetrieb leistet hier zusammen mit einigen Partnern aus dem Hafengebiet Pionierarbeit.

Was war zuerst – das Huhn oder das Ei? Das Elektrofahrzeug oder die Stromtankstelle? Und, übertragen auf LNG: das LNG-betriebene Binnenschiff oder die LNG-Bunkerstation?

Der Hafen als Vorreiter

In Rotterdam wurde in den letzten Jahren viel unternommen, um den Einsatz von LNG in der gesamten Kette, von der Nachfrage bis zum Angebot, zu fördern. Die Initiative hierfür ging vom Rotterdamer Hafenbetrieb aus. Eine Hauptrolle dabei spielen die Gate Terminal B.V. auf der Maasvlakte sowie die Partner und Mitinitiatoren Vopak und Gasunie. Hier wird das Flüssiggas per Tankschiff – das 100. legte am 25. Juni dieses Jahres an – aus u.a. dem Nahen Osten, Australien und Asien antransportiert. Ein Teil wird zur Wiederausfuhr in kleinere LNG-Tankschiffe umgeschlagen, während ein anderer Teil als Kraftstoff für den Straßengüterverkehr und die Binnenschifffahrt im Hinterland von Rotterdam Verwendung findet. Rotterdam fungiert so nicht nur als LNG-Hub für verschiedene Modalitäten, sondern auch als geographisches LNG-Versorgungszentrum für ein großes Hinterland.

Kein Feinstaub

LNG ist Erdgas, das durch Herunterkühlung auf eine Temperatur von -162 Grad Celsius verflüssigt wird. Dadurch verringert sich sein Volumen um das 600-fache, wodurch es sehr effizient und sicher gelagert und vor allem auch über große Entfernungen transportiert werden kann. 2015 traten verschärfte Emissionsnormen für die Schifffahrt in Kraft, und auch die Vorschriften für den Güterkraftverkehr werden immer strenger. LNG ist der einzige fossile Energieträger, der die Umweltanforderungen ohne weitere Bearbeitungsschritte erfüllt. Der Kraftstoff verursacht geringere Emissionen und nahezu keine Feinstaubbelastung. Darum eignet sich LNG ausgezeichnet als Kraftstoff für Lkw und Schiffe.

Seinehaven

Die ersten Hindernisse, die sich der Einführung eines neuen Kraftstoffs entgegenstellen, wurden bereits überwunden. Die nötigen Gesetzes- und Rechtsvorschriften wurden erlassen, die Hafenverwaltungsverordnung wurde geändert, die Sicherheitsrisiken wurden ermittelt und die entsprechenden Sicherheitszonen wurden festgelegt. Als erster europäischer Hafen hat Rotterdam eine Station eingerichtet, an der Binnenschiffe LNG bunkern können: den Seinehaven. Auch für Lkw stehen inzwischen die ersten Einrichtungen zur Verfügung. Im Raum Rotterdam können Lkw an zwei Tankstellen mit LNG betankt werden: bei Q8 im Botlek-Gebiet und bei Shell im Waalhaven. Beide Tankstellen befinden sich in strategisch günstiger Lage für den Güterkraftverkehr in Richtung Belgien, Frankreich und Ruhrgebiet.

Albert Heijn und Coca-Cola

Viele Speditionen, beispielsweise Vos Logistics und Van Vliet Transport, haben ihre Lkw-Flotte bereits auf Flüssiggas umgestellt – sowohl weil sie selbst die Vorteile erkannt haben als auch aufgrund der steigenden Marktnachfrage. Verlader wie Albert Heijn, Coca-Cola, Sligro und Spar sind inzwischen überzeugt; für sie sind Nachhaltigkeit und stillere Transportfahrzeuge schwerwiegende Entscheidungsmerkmale. So dürfen LNG-betriebene Lastkraftwagen beispielsweise auch außerhalb der festgelegten Be- und Entladezeiten zur Bevorratung in Stadtzentren eingesetzt werden.

Von Greenstream bis Barzan

In der Binnen- und Seeschifffahrt schreitet die Entwicklung etwas langsamer voran, nicht zuletzt angesichts der hohen Investitionskosten für LNG-betriebene Schiffe. Dennoch sind bereits einige Vorreiter aktiv. So chartert Shell beispielsweise seit 2013 das erste vollständig LNG-betriebene Binnentankschiff „Greenstream“, und Ende 2014 kündigte der Multinational an, ein eigenes Bunkerschiff bauen zu lassen. Die Reederei Danser stellte im Juni 2014 das erste LNG-betriebene Containerbinnenschiff in Dienst: die 177 m lange „Eiger-Nordwand“. Und kürzlich legte das erste für den LNG-Betrieb vorbereitete Megacontainerschiff, die UASC „Barzan“, zum ersten Mal in Rotterdam an. Der Hafenbetrieb Rotterdam fördert die Umstellung auf Flüssiggas durch verschiedene Maßnahmen. So erhalten Reedereien, die LNG-betriebene Schiffe einsetzen, eine erhebliche Ermäßigung auf die Hafengebühren. Ergänzend kann von verschiedenen Vergünstigungsprogrammen und europäischen Fördermitteln Gebrauch gemacht werden.

Zukunft

Auf der Maasvlakte wird zurzeit an der Erweiterung des Gate-Terminals um eine LNG-Umschlaganlage gearbeitet, mit der kleinere Mengen Flüssiggas in Bunkerschiffe und kleinere Tanker für die Binnen- und Shortsea-Schifffahrt umgepumpt werden können. Diese können anschließend LNG-betriebene Schiffe bevorraten oder das Flüssiggas in andere Gebiete in Nordwesteuropa transportieren, wo sie Industrie- oder Bunkerstationen für Binnenschiffe beliefern. So wurde erneut ein Schritt hin zum Einsatz von LNG als Kraftstoff in großem Maßstab gesetzt.

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