Innovation
Column

Man kann sich immer wieder auf etwas Neues freuen

Dünung #5

In Rotterdam versuchen wir stets die Frage zu beantworten, wie man Dinge im Hafen intelligenter, effizienter und nachhaltiger gestalten kann. Wie gehen die Partner im Hafen dabei vor, und was hätten sie selbst cleverer machen können bzw. wie hätten sie das tun können?

Vincent Wegener ist Mitbegründer und CEO von Captain AI und Mitbegründer von RAMLAB und RDM Next. Captain AI entwickelt Software für eine sichere autonome Schifffahrt. Damit wird der Hafen effizienter und nachhaltiger; zudem wird eine höhere Sicherheit ermöglicht.

Vincent Wegener Ramlab Captain AI

Vincent Wegener

Es ist wichtig, dass sich der Hafen intelligent entwickelt, weil immer Verbesserungen möglich sind

Vincent Wegener, RAMLAB und RDM Next

„Als Jugendlicher wartete ich immer darauf, dass KIJK, das Magazin zum Thema Technologie, wieder im Briefkasten lag. Diese Zeitschrift las ich gerne, sie war meine Informationsquelle. Ich bin ein enormer Fan von Technik, Innovation und Fortschritt. Doch ich hatte den Eindruck, dass Innovationen immer irgendwo anders auf der Welt stattfanden, im Silicon Valley oder Japan. Ich dachte immer: ‚Wir sollten hier auch so vorgehen!’

Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert, hatte Interesse, mich in beide Welten zu vertiefen. Wie kann man Technik mit Forschung und Entwicklung aufwerten und geschäftlich nutzen? Der Unterschied zur Zeit vor zehn Jahren, als ich mein Studium abschloss, ist enorm: In Rotterdam stand man Innovationen aufgeschlossen gegenüber. Es ist wichtig, dass sich der Hafen intelligent entwickelt, weil immer Verbesserungen möglich sind und jede Verbesserung ein Fortschritt ist. Das Rotterdamer Innovationssystem steht für Verbesserung und Innovation offen, eine schöne Möglichkeit, in diesem Bereich aktiv zu werden. Dank der Entwicklung von RDM und dem Ökosystem kann ich meine Träume hier nun auch verwirklichen.

So gründete ich 2013 zusammen mit einem Mitbegründer RDM Makerspace (heute RDM Next). Und 2018 haben wir mit einem Team Captain AI gegründet. Gemeinsam mit dem Hafenbetrieb Rotterdam gehen wir der Frage nach, wie man im Hafenkomplex autonome Schifffahrt ermöglichen kann. Autonome Schifffahrt bedeutet, dass ein Schiff mit einem künstlichen, computergesteuerten Kapitän im Hafen ankommt, lädt und löscht und wieder abfährt. Wir gehen so vor, um den Hafen effizienter und nachhaltiger zu gestalten und die Sicherheit zu verbessern.

Dafür entwickeln wir den AI, den wir in einem maritimen Simulator Millionen komplizierter Situationen aussetzen. So imitieren wir im Simulator beispielsweise einen heftigen Schneefall. Durch die Nutzung dieser künstlichen Intelligenz lernt die Software selbst, die richtige Entscheidung zu treffen. Dies testen wir im Floating Lab, dem Ersatzfahrzeug RPA3, das vom Hafenbetrieb mit Kameras, Messgeräten und Sensoren ausgestattet wurde.

Anfang Juli 2019 erhielt Captain AI eine Investition von 300.000 € vom Investitionsfonds UNIIQ zur Weiterentwicklung der ersten völlig autonomen Schiffe. Dies bietet uns wieder den Spielraum für weiteres Wachstum und weitere Innovationen. Das ist auch notwendig, denn es herrscht eine große Knappheit an Schifffahrtspersonal, während es im Hafen immer betriebsamer wird. Eine intelligente Lösung wie die autonome Schifffahrt kann bei der Lösung des Problems nützlich sein. Außerdem kann die autonome Schifffahrt zu einer sichereren Umgebung beitragen. Heute sind über 75 % der Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen, etwa Einschlafen oder unzureichende Aufmerksamkeit. Ein Computer ist immer aufmerksam und 24/7 einsetzbar. Ein weiterer Vorteil der autonomen

Schifffahrt liegt darin, dass wir ein Schiff anders gestalten können. So benötigt man keine Einrichtungen wie Dusche, Küche und Betten für die Besatzung. Und dadurch lässt sich wieder Brennstoff einsparen.

Was wir im Rotterdamer Hafen noch besser machen können, ist, dass wir in größerem Maßstab denken könnten. Wir sind sehr gut darin, Neues zu entwickeln und umzusetzen, doch Maßstabsvergrößerungen erfordern großes Kapital. Daran fehlt es oft noch, um bestimmte Initiativen zu einem großen Erfolg zu führen.

Wenn ich in die Zukunft blicke, sehe ich, wie in fünf Jahren schon die ersten autonomen Schiffe im Rotterdamer Hafen unterwegs sind. Ich denke, dass die Niederlande hier das erste Land sind; es hat eine Vorreiterposition im Bereich der Innovation, Digitalisierung und intelligenter Hafen. Vielleicht wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Hafen von Singapur. Auch sehen wir dann wesentlich mehr elektrische Schiffe. Das Tempo der Innovation wird mitunter unterschätzt und manchmal überschätzt. Ich beteilige mich auch am RAMLAB, dem ersten Feldlabor mit 3D-Metalldruckern, das auf die Industrie mit Bezug zum Hafen ausgerichtet ist. Damit können wir Teile drucken, wo und wenn sie benötigt werden. 2017 haben wir mit dem RAMLAB die erste 3D-gedruckte Schiffsschraube der Welt hergestellt. Innerhalb eines Jahres, viel früher als wir geplant hatten! Anderseits gehen die Dinge weniger schnell als erwartet. Anfang der neunziger Jahre las ich in KIJK, dass wir um 2020 ein Ticket für eine Weltraumreise kaufen können. Damals dachte ich: „Schön, dann bin ich 40 und noch fit genug. Doch jetzt sieht es nicht danach aus, dass ich bald eine solche Reise antreten kann. Doch das Schöne an Innovationen ist, dass man sich immer wieder auf etwas Neues freuen kann, etwas, mit dem man die Welt verbessern kann!“

Innovation

Rotterdam möchte der intelligenteste Hafen der Welt werden. Um unsere Spitzenposition zu behalten, müssen wir kontinuierlich innovieren. Innovation ist ein entscheidendes Mittel, um die geplanten Veränderungen bei der Energiewende und der Digitalisierung in Rotterdam zu realisieren.

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