Digitalisierung
Column

'Marketing-Maßnahmen aufs Neue erfinden'

Häfen können als Knotenpunkte von Güterströmen auch immer mehr zu einem Teil der digitalen Transportketten werden. Wenngleich dies eine Chance zur Eigenprofilierung ist, vermarkten viele Hafenbetriebe ihre Dienstleistungen noch in der klassischen Art und Weise. Chantal Gouka skizziert, wie Hafenbetriebe mit Hilfe von Tools, die bereits jetzt verfügbar sind, rasch die Früchte des digitalen Wandels ernten können.

Chantal Gouka

Chantal Gouka, Marketing-Expertin beim Hafenbetrieb Rotterdam

„Bei vielen Häfen gilt noch immer ein eher traditioneller PR- und Marketing-Mix“, konstatiert Chantal Gouda, Marketing-Expertin beim Hafenbetrieb Rotterdam (HbR). „Die Teilnahme an Messen sowie an Events, Werbung zu betreiben und Rundschreiben zu verschicken - all das gehört dazu. Darüber hinaus wird es immer wichtiger, das eigene Dienstleistungspaket für die Endnutzer auch digital zugänglich zu machen“, äußert sich Gouka. „Das ist etwas anderes, als wenn man auf der eigenen Website angibt, über welche Infrastruktur man selbst verfügt.

Tiefgang, Kais, Lager- und Umschlagkapazität sind Rahmenbedingungen für einen Hafen, damit er ein guter Anbieter für seine Kunden sein kann. Zudem möchten Verlader Einblick in die Verbindungen haben, die ein Hafen zu bieten hat. Sie wollen mit einem einzigen Knopfdruck sehen können, wie sie ihre Güter schnell und effizient von A nach B transportieren können.

Chantal Gouka, Hafenbetrieb Rotterdam

Navigate

Aus diesem Grund nimmt der HbR bereits seit einigen Jahren in seinem Marketingmix Differenzierungen vor. Die Abteilung Digital Business Solutions hat verschiedene digitale Tools für Endnutzer des Hafens entwickelt. So bietet „Navigate“ einen online-Einblick in alle (Haus-zu-Haus)-Deepsea-, Shortsea-, Schienen- und Binnenschifffahrtsverbindungen. Unter anderem haben die Häfen von Gdansk (Danzig) und Sohar Navigate auf ihre eigene spezifische Situation abgestimmt und setzen das Tool dazu ein, Endkunden rund um die Uhr Einblick in ihre Verbindungen zu bieten. Hiermit vermitteln sie den Verladern Informationen, die ihnen früher nicht zur Verfügung standen. Ein chinesischer Produzent weiß sicher nicht, wie das europäische Transportnetz aussieht. Anhand von Navigate kann er sehen, welche schnellen, nachhaltigen und kosteneffizienten Transportlösungen bereitstehen.

Geschäftsfeldentwicklung

Für den Rotterdamer Hafen ist Navigate nicht nur ein Marketing-Tool, sondern ebenfalls eine Informationsquelle. Die Navigate zugrundeliegenden Dashboards vermitteln einen Einblick darin, welche Geschäftsparteien ihre Suche auf den Hafen konzentrieren. Welches Ziel erreichen sie heute? Welche Routen suchen sie? Gouka erläutert: „Auf dieser Grundlage können wir als Hafenbetrieb unser Geschäftsfeld weiter entwickeln und so eine noch größere Wertschöpfung für die Kunden entwickeln. Dies ist möglich, indem wir beispielsweise Verbindungen einrichten, für die eine Nachfrage vorhanden ist, die wir jedoch derzeit noch nicht anbieten. Für uns führt Navigate Angebot und Nachfrage zusammen.“

Black Box

Häfen, die Transparenz bieten, können sich selbst stärker im Markt positionieren. In einer Welt, die immer digitaler wird, ist es eigentlich nicht mehr zeitgemäß, eine „black box“ zu bleiben. Vor allem jüngere Leute finden es ganz normal, Dienstleister online zu suchen und diese danach ebenfalls miteinander zu vergleichen. „Es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem das weltweite logistische Umfeld vollständig digital erfasst ist“, sagt Gouka. „Viele Häfen müssen sich aufs Neue Marketing-Maßnahmen ausdenken. Indem man sich auf den Endkunden konzentriert und die eigenen Dienstleistungen digitalisiert, spielt man weiterhin eine Rolle in der Logistik der Zukunft.“

Chancen kreieren

Dennoch braucht es Mut, will man als Hafen mit der Digitalisierung Schritt halten. Die Schaffung von Transparenz deckt auch potenzielle Schwachstellen auf. Man denke in diesem Zusammenhang an Verbindungen, die man nicht anbieten kann. Laut Gouka ist dies kein Grund, die Digitalisierung auf Distanz zu halten: „Man kann es auch als eine Chance betrachten, die Aufmerksamkeit auf die spezifischen Stärken der eigenen Region zu lenken. Gibt es beispielsweise gute Hinterlandverbindungen anhand von Binnenschifffahrt und Bahn? Dann kann man sich selbst als nachhaltiger Hafen profilieren. Abgesehen von den Kosten spielt Nachhaltigkeit für die Verlader eine immer größere Rolle bei der Wahl des Transports.“

Zusammenarbeit

Nur mit Hilfe von Zusammenarbeit wird der digitale Wandel, nach Aussage von Gouka, zum Erfolg führen. An erster Stelle steht eine Zusammenarbeit mit der eigenen Gemeinschaft. Häfen, die ihre eigene Sichtbarkeit auch online zeigen, verschaffen auch ihrer eigenen Hafengemeinschaft Geltung. In einem nächsten Schritt verhelfen sie ihren Partnern im Hinterland zu mehr Sichtbarkeit. Da sie immer mehr Einblicke in ihre Dienstleistungen über eine digitale Plattform gewähren, wird diese Plattform zu einer immer kostengünstigeren Alternative zu traditionellen Marketing-Maßnahmen, zu denen auch die Teilnahme an Messen weltweit gehört. Die Teilnahme an dieser Entwicklung braucht nach Aussage von Gouka nicht einmal so kostspielig zu sein. Sie berät Hafenbetriebe und empfiehlt ihnen, die bereits entwickelten Tools auch zu nutzen. „Die Häfen sollten die Expertise der anderen Häfen nutzen, anstatt das Rad selbst neu zu erfinden. Denn das treibt nur die Kosten in die Höhe. Ein Tool wie Navigate kann jeder Hafenbetrieb ohne Probleme in seine Website integrieren. Zur Nutzung von Navigate braucht es auch keine riesengroße IT-Abteilung. Abgesehen vom Produkt werden Marketing-Informationen darüber mitgeliefert, wie man digital lokalisiert werden kann.“

Verbundene Häfen (connected ports)

Die Digitalisierung erfordert das Loslassen alter Strategien wie der „Abschirmung“ des eigenen Netzes. Gouka erläutert: „Die Digitalisierung bietet Chancen im Hinblick auf die Erhöhung der Effizienz und Nachhaltigkeit in den Transportketten. Wer seine Geschäftsmodelle und sein Marketing darauf abstimmt, kann gewiss davon profitieren. Beinahe alles kann heutzutage digital erledigt werden - vom Zahlungsverkehr bis hin zur Buchung eines Urlaubs. Der logistische Sektor ist diesbezüglich noch im Hintertreffen. Gemeinsam können wir diese Entwicklung beschleunigen. Wir glauben an verbundene Häfen (connected ports).’

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