Innovation
Column

Mit BlockLab fühle ich mich wie ein Kind in der Süßwarenabteilung

Dünung #6

In Rotterdam suchen wir kontinuierlich eine Antwort auf die Frage, wie man den Hafen intelligenter, effizienter, besser und nachhaltiger gestalten kann. Wie gehen Partner im Hafen mit diesem Aspekt um, warum und was hätten sie selbst besser machen können?

Aljosja Beije ist Logistics Lead bei BlockLab, einem von dem Hafenbetrieb Rotterdam und der Stadt Rotterdam initiierten und finanzierten Fieldlab. Mit dem Fokus Energie und Logistik setzt BlockLab die Blockchain-Technologie in die Praxis um.

Aljosja Beije Logistic Lead van Blocklab

Aljosja Beije

Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen mittels einer guten Abstimmung und der Bereitschaft zur Kooperation und zum Einsatz neuer Technik Wachstum erwirtschaften können

Aljosja Beije, BlockLab

„Ich bin in der Nähe von Rotterdam aufgewachsen und fühle mich schon mein ganzes Leben mit dem Hafen verbunden. Im Bereich Logistik verfüge ich über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung. Zudem habe ich auf drei Kontinenten gearbeitet. Logistik fand ich schon immer spannend: Braucht man ein paar Schrauben, findet man sie einfach in einem Geschäft. Die Reise jedoch, die diese Schrauben, beispielsweise aus China, hinter sich haben, sieht man nicht. In puncto Effizienz kann noch vieles verbessert werden, und die Digitalisierung kann ihren Beitrag dazu leisten. Mit BlockLab fühle ich mich daher wie ein Kind in der Süßwarenabteilung: es geht um innovative Lieferkettenprojekte, an denen große Namen beteiligt sind.

„Kurz ein paar Erklärungen dazu: Unter Blockchain versteht man ein dezentrales System, mit dem Daten gespeichert werden. Es gibt nicht eine einzige Instanz oder einen einzigen Betrieb oder Eigentümer. Mit BlockLab haben wir die Art und Weise, wie diese Blockchain-Technologie für die Lösung bestimmter Probleme in den Bereichen Logistik und Energie eingesetzt werden kann, gut ins Visier gerückt. Wir wollen Blockchain dazu nutzen, die Informations- und Finanzströme besser zu koordinieren. Das sorgt nicht nur für eine höhere Effizienz in der Kette, sondern es entstehen auch neue Unternehmensmodelle, wie beispielsweise die Vorratsfinanzierung und das Teilen logistischer ‚Assets‘.

Strom von den eigenen Nachbarn

„Der Hafenbetrieb Rotterdam engagiert sich für die Energiewende und die Entwicklung alternativer Energiequellen wie beispielsweise der Wind- und Solarenergie. Ebenso wie bei der Container-Logistik kann man Blockchain auch für die Koordination der Logistik dieser Energien einsetzen. Es geht darum, dass sich Menschen auf eine zuverlässige Stromversorgung verlassen können. Das ist eine größere Herausforderung als bei Energie aus Kohle oder Gas, denn der Wind weht nicht immer gleich stark und die Sonne scheint auch nicht immer. Damit trotzdem eine zuverlässige Energieversorgung sichergestellt werden kann, bieten sich dezentrale Märkte in Form von Peer-to-Peer (gleichrangig) an, nämlich eine Abwicklung durch Nutzer untereinander. Anfang September starten wir ein Pilotprojekt bei RDM mit einem System, das diesen Peer-to-Peer-Handel ermöglicht. Stellen Sie sich also Folgendes vor: In ein paar Stunden brauchen Sie Energie, denn Sie wollen über Nacht Ihren Tesla aufladen, so dass Sie rechtzeitig zum wichtigen Treffen am nächsten Vormittag erscheinen können. Und dafür wollen Sie sichergehen, dass Sie die gesamte Route ohne Stopp zurücklegen können. Und Sie wissen, dass Sie den Strom bei den Nachbarn günstiger abnehmen können als über das Netz. Und dann entscheiden Sie sich natürlich für die Nachbarn! Blockchain kann dabei eine Rolle spielen, da dieses System die dafür erforderliche digitale Infrastruktur regelt.“

„Das andere große Projekt, mit dem wir uns beschäftigen, heißt DELIVER. Das ist eine Plattform, die ebenfalls über die Blockchain-Technologie funktioniert und eine effizientere Form des internationalen Handels ermöglicht. Stellen Sie sich einen Container vor, der überseeisch transportiert wird. Der Transport geht mitunter mit einem Verwaltungsaufwand von gut und gerne 75 Seiten einher, was äußerst zeitaufwändig ist, bevor die Abwicklung abgeschlossen ist. Man kann sich gut vorstellen, dass das die Kapazitäten und Mittel der Reederei erheblich in Anspruch nimmt. Und zudem führt es zu Verzögerungen im finanziellen Ablauf. Jeder muss auf den anderen warten. Indem man den Verwaltungsaufwand mit der Blockchain-Technologie regelt, kann man dieses Problem lösen. Und das mit Erfolg: Anfang Februar 2019 wurde mit DELIVER der erste papierlose und von Tür zu Tür rückverfolgbare Container von Korea aus in den Niederlanden, in Tilburg, abgeliefert.“

Wachstum durch Kooperation und Technologie

„Für mich ist ein intelligenter Hafen ein Hafen, der ohne Probleme mit einer Kapazitätsauslastung von 99 % funktionieren kann. Nicht so intelligent ist es, zusätzliche Kapazität hinzuzufügen, wenn das nicht erforderlich ist. Schauen wir uns dazu den Straßentransport an: 25 bis 40 Prozent der LKW fahren leer hin oder zurück - und trotzdem kommen immer mehr LKW hinzu. Plattformen wie Uber Freight reagieren hierauf in intelligenter Weise. Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen mittels einer guten Abstimmung und der Bereitschaft zur Kooperation und zum Einsatz neuer Technik Wachstum erwirtschaften können.“

„Zu Beginn haben wir uns mit BlockLab zu sehr auf den KMU-Sektor konzentriert, wobei dieser Sektor noch nicht reif dafür war. Das war kein so intelligenter Zug von uns, wohl aber haben wir eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Zuerst muss man für ein Netz sorgen; danach landet man schon recht schnell bei Großunternehmen. Diese verfügen auch über die erforderlichen Mittel und damit über den Mut, Innovationen umzusetzen. Und jetzt schließt sich auch der KMU-Sektor an. Wir haben beispielsweise ein Projekt mit einem Schifffahrtsunternehmen namens Shipping Factory durchgeführt, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie wir Blockchain einsetzen können, um die Verwaltung der Binnenschifffahrt papierlos zu gestalten.“

Export von Kenntnissen

„Wir hier in Rotterdam müssen dafür sorgen, dass wir ein intelligenter Hafen bleiben - und das nicht nur aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus. Ich bin 1991 hierhin gezogen und habe miterlebt, wie sich Rotterdam von einer Stadt mit vielen „nicht so schönen Stellen“ zu einer lebenswerten Stadt entwickelt hat, in der man gern wohnt. Gleichzeitig wächst der Transportsektor immer weiter - und diese CO2-Emission geht auf Kosten dieser Lebensqualität. Aus diesem Grund brauchen wir einen intelligenten Hafen und setzt sich Rotterdam dafür ein, den CO2-Ausstoß zu senken. Wir innovieren und digitalisieren mit Nachdruck, wobei die dadurch gewonnenen Erkenntnisse in höherem Maße und in noch besserer Form exportiert werden können. In puncto Intelligenz können wir dabei bestimmt noch zulegen!“

Innovation

Rotterdam möchte der intelligenteste Hafen der Welt werden. Um unsere Spitzenposition zu behalten, müssen wir kontinuierlich innovieren. Innovation ist ein entscheidendes Mittel, um die geplanten Veränderungen bei der Energiewende und der Digitalisierung in Rotterdam zu realisieren.

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