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Natriumhydroxid von Schiff zu Schiff umladen? In Rotterdam ist es möglich!

Am 1. Januar 2020 treten die IMO-2020-Vorschriften in Kraft. Wer auf Scrubber in einem geschlossenen System umsteigt, benötigt für die Abgaswäsche Natriumhydroxid. Rotterdam ist der erste Hafen weltweit, in dem dieses Produkt von einem Bunkerschiff aus geladen werden kann. Das hat verschiedene Vorteile.

Bunkeren van caustic soda

Die neuen Vorschriften der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) haben zum Ziel, die Schwefeloxid-Emissionen, die für die Versauerung der Atmosphäre verantwortlich sind, wesentlich zu senken. Ab dem 1. Januar 2020 dürfen Schiffe daher nur noch Kraftstoffe mit einem Schwefelgehalt von höchstens 0,5 Prozent einsetzen. Derzeit liegt der zulässige Grenzwert noch bei 3,5 Prozent. Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit: Reedereien dürfen weiterhin Heizöl verwenden, wenn sie auf ihren Schiffen Abgaswäscher, sogenannte Scrubber, installieren, in denen die Abgase durch Wasser (und Natriumhydroxid) gereinigt werden.

pH-Bilanz

Als größter Bunkerhafen Europas ist Rotterdam gut auf die neue Situation vorbereitet. So ist nicht nur schwefelarmer Kraftstoff verfügbar, sondern auch die Reedereien, die sich für den Einbau von Abgaswäschern entscheiden, um weiterhin traditionelles Heizöl verfeuern zu können, werden optimal bedient. So kann das Scrubber-Abwasser gesammelt und verarbeitet und das benötigte Natriumhydroxid von Schiff zu Schiff gebunkert werden. Amsterdam und Rotterdam sind die einzigen Häfen weltweit, in denen dies zulässig ist; in der Hauptstadt Amsterdam wurde dies jedoch noch nicht in die Tat umgesetzt. „Natriumhydroxid benötigt man, um beim Waschen der Abgase den Schwefeldioxid-Gehalt zu neutralisieren“, erläutert Remy Bouman, QSHE-Manager bei der VT Group. „Durch Kontrolle der pH-Bilanz kann der Scrubber optimal funktionieren.“

Emulsion

Das Problem des Natriumhydroxids besteht darin, dass es sich um ein Kristall handelt, das in einer fünfzigprozentigen Wasserlösung zwar flüssig wird, jedoch ein hohes spezifisches Gewicht aufweist. „Die Pumpe eines Tankwagens reicht dann oft nicht aus, um die Emulsion vom Kai aus in den Maschinenraum eines Seeschiffs hochzupumpen. Auf unseren Bunkerschiffen jedoch befinden sich Pumpen mit einem Druck von 8 bar, für die das kein Problem ist. Rotterdam ist aber der einzige Hafen weltweit, der diese Dienstleistung anbietet.“ Es sind Fälle von Schiffen bekannt, die erst in drei Häfen erfolglos versucht hatten, Natriumhydroxid zu laden, bevor sie es in Rotterdam von Schiff zu Schiff bunkern konnten.

Früh dabei

Die Rotterdamer VT Group verfügt bereits über mehr als 20 Jahre Erfahrung mit dem Transport von Natriumhydroxid, unter anderem von Akzo Nobel. Täglich sind in Westeuropa durchschnittlich acht Binnenschiffe damit unterwegs, vier davon mit Heimathafen Rotterdam. Bouman erläutert: „In einem frühen Stadium haben wir uns mit dem Hafenbetrieb Rotterdam an den Tisch gesetzt, um zu ermitteln, welche Risiken das Bunkern von Schiff zu Schiff mit sich bringt. Gemeinsam haben wir adäquate Kontrollmaßnahmen beschlossen, wodurch das Bunkern hier schon seit einiger Zeit möglich ist. Das ist wirklich ein Vorteil.“

Ein Seeschiff benötigt nämlich pro Bunkervorgang 30 bis 200 Tonnen Natriumhydroxid. „Bislang kommt dies nur einige Male pro Monat vor, doch wir sehen, dass die Nachfrage stetig steigt. Und sie wird zweifellos noch weiter zunehmen, je näher das neue Jahr rückt“, meint Bouman abschließend.

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