Innovation
Column

Schachspielen - und dann auf mehreren Schachbrettern gleichzeitig

Dünung #7

In Rotterdam suchen wir kontinuierlich eine Antwort auf die Frage, wie man den Hafen intelligenter, effizienter, besser und nachhaltiger gestalten kann. Wie gehen Partner im Hafen mit diesem Aspekt um, weshalb und was hätten sie selbst besser machen können?

Alice Krekt ist Programmdirektorin des Climate Program im Unternehmerverband Deltalinqs, der die Interessen von Logistik-, Hafen- und Industrieunternehmen in Rotterdam vertritt. Im Climate Program arbeiten die Mitglieder gemeinsam mit der Stadt, der Provinz, den Wissensinstituten und dem Hafenbetrieb Rotterdam an der Energiewende des Industriekomplexes im Rotterdamer Hafen. Drei Themen stehen dabei im Mittelpunkt: Energieeffizienz, nachhaltige Brennstoffe und Energieträger sowie nachhaltige Rohstoffe.

Alice Krekt Progammadirecteur Deltalinqs

Alice Krekt

“Ich konzentriere mich auf Lösungen und arbeite mit Menschen zusammen, die es nachhaltiger machen wollen. Es gibt keine einheitliche Lösung oder einen einfachen Weg, um den Hafen intelligent und nachhaltig zu machen.”

Alice Krekt, Deltalinqs

„Meine Wurzeln liegen in Friesland, die Leidenschaft fürs Wasser hatte ich schon immer. Ich liebe das Segeln, am liebsten auf dem Meer. Als Planologin - ich habe Geografie studiert - fasziniert es mich, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten sich an einem bestimmten Ort abspielen, weshalb sie sich entwickeln und weshalb das für andere nicht gilt. Ich lasse mich nicht vom Geld leiten, ich verspüre ein hohes Maß an sozialer Verantwortung, ich möchte etwas beitragen und die Dinge besser machen. Ich finde es sehr schön, das von diesem Ort bei Deltalinqs zu tun - und zwar genau von dieser Position aus beim Unternehmerverband, im Hafen mit den größten CO2-Emittenten der Niederlande. Die Gesellschaft äußert sich manchmal höhnisch darüber, dass von diesem Ort aus am Thema Nachhaltigkeit gearbeitet wird, doch ich sehe viele Chancen, das gesteckte Ziel zu erreichen.“

Menschen, die sehr wohl dafür sind

„Selbst bei Unternehmern gibt es ab und zu Vorbehalte gegenüber notwendigen Veränderungen, doch ich konzentriere mich auf die Menschen, die sehr wohl dafür sind. Und davon gibt es viele - insbesondere auch im Hafen. Die meisten Unternehmer sind nämlich der Ansicht, dass sie selbst die Herausforderung, Probleme zu lösen, annehmen müssen. Bei diesen Unternehmen arbeiten Menschen, die sich verantwortlich fühlen und nach Lösungen suchen. Damit sind sie, aufgrund ihres Fachgebietes, manchmal bewusster zugange als der Durchschnittsniederländer.“

„Dabei ist es jedoch wichtig, dass Unternehmen Unterstützung finden und mit anderen Betrieben, Behörden und dem Hafenbetrieb Rotterdam zusammenarbeiten. Unternehmen werden nämlich häufig mit einem Gefangenendilemma konfrontiert. Sie möchten Maßnahmen zur Erhöhung der Nachhaltigkeit ergreifen, wobei das im Alleingang jedoch schwierig ist. Die Technologien befinden sich noch in der Entwicklung. Sie sehen sich mit Rechtsvorschriften konfrontiert, die nur von der Legislative geändert werden können. Für Wasserstoff beispielsweise ist eine andere Infrastruktur erforderlich.“

Blauer Wasserstoff

„Für mich ist ein intelligenter Hafen ein nachhaltiger Hafen, der fossile Brennstoffe sinnvoll nutzt, auf nachhaltige Brennstoffe umsteigt und sich für die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens einsetzt, und der gleichzeitig seine wirtschaftliche Position wahrt und ausbaut.“

„Im Climate Program untersuchen wir, wie wir die Nutzung von Wasserstoff als Alternative für fossile Brandstoffe stimulieren können. Bei grünem Wasserstoff, der mit Wind- oder Solarenergie produziert wird, wird kein CO2 freigesetzt. Das ist unser Ziel, doch noch ist diese Technologie teuer und steckt in den Kinderschuhen. Rotterdamer Raffinerien nutzen für die Herstellung von Öl grauen Wasserstoff, bei dem CO2 freigesetzt wird. Aus unserer Machbarkeitsstudie geht hervor, dass die Industrie ihre CO2-Emissionen bereits vor 2030 beträchtlich senken kann, indem blauer Wasserstoff in großem Maßstab produziert und genutzt wird. Hierbei wird das CO2 in leeren Gasfeldern gespeichert. Dafür sind dann jedoch Großinvestitionen in neue Infrastruktur sowie der Umbau vorhandener Anlagen erforderlich, wobei sich die veränderte Infrastruktur dann auch direkt für den grünen Wasserstoff eignet.

Intelligent bedeutet: sich nicht allwissend zu präsentieren

„Es gibt nicht eine einzige Lösung oder einen geraden Weg, um den Hafen intelligent und nachhaltig zu machen. Man hat es immer mit mehreren Beteiligten zu tun, die einsteigen oder aussteigen und unterschiedliche Interessen vertreten. Auf dem Weg begegnet man neuen Herausforderungen, die man zuvor nicht in Betracht gezogen hat. Es ist wie ein Puzzle - welches Teil gehört wohin? Oder aber wie Schachspielen - und dann auf mehreren Schachbrettern zugleich. Gleichzeitig gibt es viele Initiativen, denn viele Organisationen haben ihr eigenes Klimaprogramm. Lassen Sie uns das, was bereits vorhanden ist, nutzen und herausfinden, wie wir Anschluss zueinander finden.“

„Wir wollen im Hafen immer alles erst ganz genau wissen; erst dann sprechen wir darüber. Doch wir sollten mehr von unserer Suche und unseren Bemühungen preisgeben. Dann verstehen andere auch besser, was wir tun. Auf diese Weise sehen sie, dass der Zielanspruch gegeben ist, aber auch, wo die Probleme liegen. Ich halte es für klug, wenn wir uns nicht allwissend präsentieren.“

Innovation

Rotterdam möchte der intelligenteste Hafen der Welt werden. Um unsere Spitzenposition zu behalten, müssen wir kontinuierlich innovieren. Innovation ist ein entscheidendes Mittel, um die geplanten Veränderungen bei der Energiewende und der Digitalisierung in Rotterdam zu realisieren.

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