Erreichbarkeit

SCOPE unterstützt Lieferkettenpartner dabei, besser und zuverlässiger zu werden

12 November 2021
Wie können wir Ihnen helfen?

Der Hafenbetrieb Rotterdam unterstützt mit dem Projekt SCOPE Parteien in der Lieferkette, die sich miteinander an einen Tisch setzen möchten, um die gegenseitigen Prozesse kennenzulernen und mehr Einsicht in die Lieferketten zu gewinnen.

Scania Logistics ist einer der Teilnehmer an diesem Projekt und zieht jetzt schon einen Nutzen aus den Gesprächen, „denn es sorgt für eine bessere Zuverlässigkeit und mehr Verständnis für das gegenseitige Handeln.“

Ein Gabelstapler entlädt

Bessere Einsicht in die Lieferkette gewinnen, um so miteinander die Zuverlässigkeit zu verbessern. Das klingt ausgesprochen logisch und einfach, lässt sich aber in der Praxis nur schwer realisieren. Es geht dann schnell um Datenaustauch, Vertrauen zueinander und darum, sich die Zeit zu nehmen, einander gut kennen zu lernen. Das Projekt SCOPE, initiiert vom Hafenbetrieb Rotterdam, bietet dabei Unterstützung mit Ergebnis. So hat man bei Scania in Hasselt bereits festgestellt, dass das Projekt dabei hilft, bessere Erkenntnisse zu gewinnen und dadurch auch langfristig bessere Ergebnisse in der gesamten Lieferkette zu erzielen.

Während die Container auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes von Scania am Inland-Terminal von Westerman entladen werden, berichtet der Group Leader Material & Transport Overseas, Rick Slot, über die Gründe, aus denen sie bei SCOPE mitgemacht haben. „Wir haben mehrere größere Export- und Importströme unter anderem in Hasselt zentralisiert. Container kommen hier an und starten von hier aus zu ihrem Ziel. Bis jetzt werden Container, wenn sie geleert sind, teilweise leer zurück nach Rotterdam transportiert und ein leerer Container kommt wiederum zurück, um für den Export beladen zu werden. Wir möchten hin zu einer verbesserten Situation, bei der alle Container wiederverwendet werden. Dazu möchten wir die richtigen Partnerlieferketten finden.“

Neutrale Haltung

SCOPE war deshalb auch eine gute Möglichkeit, um darin in Zusammenarbeit mit Westerman und Tiefsee-Terminal Hutchison Ports ECT Rotterdam, bessere Erkenntnisse zu gewinnen. „Der Hafenbetrieb hat zur Container-Lieferkette eine neutrale Haltung.“ Wir sind selbst bereits schon ziemlich weit mit der Optimierung der Kette und uns steht dafür eine komplette Ingenieursabteilung zur Verfügung. Containertransport wird für uns immer wichtiger und zuverlässige Umschlagezeiten sind dabei ein Muss. Man möchte jegliche Verschwendung aus der Kette holen. Natürlich unterhalten wir einen guten Kontakt zu unseren nächsten Partnern in der Lieferkette wie Westerman und auch zu den Terminals, aber nicht zu allen Partnern in der Kette. Deshalb ist es nicht immer sehr transparent, was mit den Waren passiert. Über SCOPE erhalten wir diese Einsichten schon. Für uns war es kein Problem, Daten herauszugeben, solange dazu gute Vereinbarungen getroffen werden. Das ist etwas, dem wir schon offen gegenüber stehen.“

Container auf dem Kai

Laut Slot liegt es am vielen Insourcing, dass sie bereits viel optimieren konnten. „Unser Netzwerk in Europa ist sehr effizient und gut eingerichtet. Auch für alles, was über See kommt, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Wir haben Verträge mit Linienschiffen und sitzen für den Transport von und nach Hasselt unter anderem mit Westerman an einem Tisch. Mit den Parteien, zu denen beispielsweise Westerman starke Geschäftsbeziehungen unterhält, sprechen wir viel weniger. Aber vielleicht ist in dieser Hinsicht mehr möglich und es handelt sich um eine niedrig hängende Frucht, die sich einfach pflücken lässt und von der alle profitieren? Wenn wir voneinander mehr wissen, hilft das beim Erstellen von Verträgen und einer Verbesserung der Vorhersagbarkeit der Umschlagzeit. Dieses Projekt ist dabei ein Teil des Zubehörs.“

Die Gespräche, um alle Lieferkettenpartner an einen Tisch zu bekommen, werden von Ellen Naaijkens, Senior Business Manager Shippers & Forwarders beim Hafenbetrieb Rotterdam, geführt. „Wir haben Kontakt zu allen Parteien und können die Betreuung gut organisieren. Als Hafenbetrieb sind wir neutral, aber helfen bei der transparenten Gestaltung aller verfügbaren Daten. In einem Workshop lassen wir die Leute dann zu diesen Erkenntnissen miteinander ins Gespräch kommen. Wenn man sieht, dass Container durchschnittlich lange am Terminal stehen bleiben, dann kann man miteinander nachvollziehen, wodurch das verursacht wird, und ob es wünschenswert ist, daran etwas zu verändern. Manchmal geht es bei den Parteien um Unwissenheit, und rechtzeitigerer Informationsaustausch könnte die Verweilzeit deutlich verkürzen.“

Die bessere Einsicht ist etwas, was Slot aufgefallen ist. „Natürlich haben wir zu den meisten Parteien bereits geschäftliche Beziehungen unterhalten, aber einige kannten wir doch weniger gut.“ Dank SCOPE konnten wir uns niederschwellig kennenlernen und auch zur Verbesserung der Lieferkette unseren Beitrag leisten. Was ist möglich und was können wir herausfinden? Es wurden noch vertiefende Analysen durchgeführt, wir machen hier also sicherlich weiter. Dass wir schon nach den ersten Sitzungen über bessere Erkenntnisse zur Umschlagzeit und Zuverlässigkeit verfügen, hat bereits seinen Wert, sicherlich langfristig.“

Jetzt, da wir mehr über die Lieferketten wissen, können wir unsere Modelle verbessern, wodurch die Vorhersagen sicherer sind.
Rik Teunissen, Material Supply Engineer, Scania

Dabei handelt es sich um etwas, was sein Kollege Rijk Teunissen, Material Supply Engineer, bereits in der Praxis anwendet. „Wir verfügen über Modelle, mit der wir die Lieferzeit von Produkten berechnen. Aber sind diese genau und zuverlässig genug? Jetzt, da wir mehr über die Lieferketten wissen, können wir unsere Modelle verbessern, wodurch die Vorhersagen sicherer sind. Wir können jetzt, aufgrund der besseren Erkenntnisse, auch akkuratere und gezieltere Ausschreibungen durchführen. Dies bedeutet vor allem langfristig einen Gewinn.“

Mehrwert

Nicht nur für Scania, sondern auch für andere Lieferkettenpartner ergibt sich ein Mehrwert, erklärt Slot. „Wir wissen, wann ein Binnenschiff an einem bestimmten Terminal in Rotterdam anlegt. Es kann aber günstiger sein, Volumen auf bestimmte Tage zu verschieben, sodass andere Lieferkettenpartner über andere Kunden auch genug Volumen angesammelt haben, um an einem anderen Tag an mehreren Terminals anzulegen. Das ist für uns günstiger, aber auch für alle Parteien in der Lieferkette. Da können wir enorme Optimierungserfolge erzielen. Dies macht uns in Bezug auf andere Parteien auch zuverlässiger. Unsere Präferenz genießt dann auch die Binnenschifffahrt, da sie nachhaltiger ist als Straßentransport.

Es passiert zum ersten Mal, dass alle diese Daten jetzt gebündelt werden. „Alle Informationen stehen zwar zur Verfügung, aber noch nicht in einer Form, die bereits von jemandem zusammengeführt und analysiert wurde“, sagt Ellen Naaijkens. „Alle diese Daten transparent zu machen und allen Parteien am Tisch auf einheitliche Weise zu präsentieren, war wichtig. Immer mehr Parteien in der Lieferkette stellen fest, dass Optimierung nur miteinander möglich ist. Nicht nur der Verlader ist dabei wichtig, sondern beispielsweise auch die Terminals. Nehmen Sie das Beispiel von Scania. Aus der Analyse von Scanias Container-Strom ging hervor, dass seit der Einführung des sogenannten North West Central Corridor-Konzepts, die Binnenschifffahrtroute effizienter geworden ist. Durch Abstimmung des Fahrplanschemas und der Nutzung eines festen Zeitfensters, wurde die Wartezeit am Tiefsee-Terminal in Rotterdam verkürzt und die Zuverlässigkeit gesteigert. So haben alle Parteien auf diesem Korridor etwas davon.“

Verständnis

Das bestätigt Slot. „Es gibt mehr Verständnis für die Position des anderen und die Herausforderungen in der Lieferkette. Früher sah man, dass es erst auf operativer Ebene zu Kontakt kam und dann erst zu einem Dialog. Aber eigentlich möchte man bereits bevor ein Problem aufgetreten ist, wissen, dass ein Problem eintritt. Wir nehmen jetzt schneller den Hörer in die Hand und verstehen einander besser, wenn etwas nicht klappt, und begreifen jetzt, dass eine Kleinigkeit beim einen bereits schwere Folgen beim anderen verursacht. Die ersten Schritte, die wir feststellen, ist beispielsweise dass ECT jetzt proaktiv mitdenkt und Vorschläge zur Verbesserung macht. Das ist wirklich toll. Wir können jetzt einfacher miteinander in Kontakt treten und kennen die gegenseitigen Interessen besser.“

Trotzdem finden es viele Unternehmen unangenehm, ihre Daten einfach so zu teilen. Laut Teunissen hat Scania damit weniger Probleme. „Wir haben da nicht so große Bedenken. Wir haben eine klare Geheimhaltungsvereinbarung getroffen und zudem haben wir die Daten anonymisiert. Wir haben also Containernummern, Daten und Uhrzeiten bereitgestellt, aber nicht deren Inhalt. Es kann ein gutes Gleichgewicht bestehen zwischen dem, was man teilt, und dem, was man nicht teilt, und trotzdem gibt es genug Informationen, mit denen man weitermachen kann.“ Ellen Naaijkens ergänzt, dass niemand Einsichten in die Daten anderer Parteien in der Lieferkette bekommt. „Wir teilen lediglich deren Analyse.“

Bewegung

Gerade dieser Austausch ist laut Slot so wichtig. „Man kann mit Daten die eigenen Prozesse optimieren, aber wenn man nicht alles nebeneinander legt, weiß man absolut nicht, ob es sich dabei auch um eine gute Optimierung handelt. Wenn jeder einen internen Fokus handhabt, schafft sich jeder seine eigene Wahrheit. Alles ist somit in vielerlei Hinsicht interpretierbar. Deshalb ist SCOPE auch so gut. Denn damit wird eine Wahrheit geschaffen, und damit ist es einfacher, Dinge beim Namen zu nennen.“

Wir holen nicht alle ins Boot, wenn es nicht allen Vorteile bietet
Ellen Naaijkens, Sr. Business Manager Shippers & Forwarders, Havenbedrijf Rotterdam

Natürlich muss das SCOPE-Projekt allen Lieferkettenparteien einen Mehrwert liefern. „Wir holen nicht alle ins Boot, wenn es nicht allen Vorteile bietet“, sagt Ellen Naaijkens. „Wir sehen, dass am Ende alle mitarbeiten, aber manchmal ist die Bereitstellung von Daten schwierig, da die Qualität stark voneinander abweicht. Man sieht, dass der eine im Bereich Digitalisierung weiter ist als der andere. Aber gerade weil sie mitmachen und liefern müssen, sieht man, dass auch dort Dinge in Bewegung kommen. Unternehmen stellen fest, dass sie sich ebenfalls an der Lieferkette beteiligen müssen und werden dazu angeregt, auch mehr datengestützt zu arbeiten. Wir sind jetzt auch in Deutschland mit SCOPE aktiv, aber da ist die Herausforderung noch ein bisschen größer, stellen wir fest.“

Montage bei Scania

Der Grund, aus dem der Hafenbetrieb Rotterdam SCOPE ins Leben gerufen hat, ist laut Ellen Naaijkens die Anbindung der zugrundeliegenden Containerströme an den Rotterdamer Hafen durch eine Stärkung der Lieferketten auf Basis von mehr Transparenz und Datenaustausch. „Wir sind kein Digitalisierungsprojekt, sondern eigentlich mit Prozessmanagement beschäftigt. Der weicheren Seite, dem Herstellen von Kontakt. Dabei spielen wir eine unterstützende Rolle.“ Das scheint nicht nur im Falle von Scania Früchte abzuwerfen. „Wir sehen mit einem Blick aufs Ganze, dass beispielsweise gute Gespräche mit Spediteuren folgen, die sich im Namen von Verladern anschließen. Oft kennen sie beispielsweise ein Tiefsee-Terminal wie ECT nicht einmal richtig, obwohl sie für ihre Kunden täglich damit arbeiten. Wenn sie gemeinsam eine Verbesserung für Kunde A des Spediteurs erreichen können, dann werden auch Kunde B und C davon profitieren.“

Als neutrale Partei kann der Hafenbetrieb gut als Vermittler auftreten. „SCOPE muss ein Katalysator zur Verbesserung und zum Gewinn von Erkenntnissen sein. Parteien vertrauen darauf, dass wir nichts Komisches mit all den Daten anstellen, wir können jedoch mit einer Analyse und dem Zusammenbringen von Parteien in der Lieferkette Mehrwert hinzufügen.“ Slot und Teunissen teilen diese Schlussfolgerung. „Es liefert tolle, neue Erkenntnisse. Wenn man selbst ein wenig nachgibt, kann man an anderer Stelle vielleicht sehr viel gewinnen. Das Eigeninteresse loslassen und sich das Interesse der Lieferkette ansehen – das bringt langfristig am meisten. Auch für einen selbst!“

SCOPE

SCOPE ist ein gemeinschaftliches Konzept für eine optimale Lieferkette, wobei der Hafenbetrieb Rotterdam Verlader und Spediteure bei der Wertschöpfung unterstützt, indem er Ihnen bei der Verbesserung Ihrer Lieferketten über Rotterdam hilft. Verlader, die sich für das SCOPE-Projekt interessieren, können sich an Ellen Naaijkens.

Quelle: evofenedex / Text und Fotos: Job Halkes