Vorsichtiger Optimusmus – optimistisch Vorsichtig!

08 Juni 2020
Wie können wir Ihnen helfen?

Connecting the world: Folgen von COVID-19 für das Österreichische Geschäftsklima

Zum Zeitpunkt an dem ich diesen Artikel (Anfang Juni 2020) verfasse, erfahren wir von unserer Regierung laufend Maßnahmen, wie, ob und in welcher Form ein langsames und vorsichtiges Hochfahren des öffentlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens in Österreich ausgestaltet werden soll.

Ansicht Wien

Aktuell befinden sich rund 1,5 Mio von (von etwa 4,4 Mio Erwerbstätigen insgesamt) entweder in Kurzarbeit oder in der Arbeitslosigkeit. Es wird erwartet, dass die Staatsverschuldung bis Ende 2020 von rd. 70% auf 76% Prozent des Bruttoinlandsproduktes ansteigen wird. Ab Anfang bzw. Mitte Juni wird in Österreich in eine „ neue Normalität“ eingeführt werden. Was unter Anderem zwar weiterhin gültige Schließungen von Großveranstaltungen, Theater, Oper, Kino oder Sportveranstaltungen (oder nur ohne Publikum) sowie Universitäten bis Anfang Oktober bedeutet. Andererseits sind limitierte Treffen mit der Familie und engen Freunden wieder möglich. Restaurants müssen ab dann Ihre Kapazitäten reduzieren (Social Distancing) und spätestens um 1 Uhr sperren.

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Transportindustrie

Die für Österreich relevanten Seehäfen reagieren unterschiedlich auf die Covid bedingten Entwicklungen. Manche Häfen halbieren die Hafengebühren bis Herbst. Andere intensivieren Ihre Bemühungen in Richtung Inland-Terminal Netzwerke. Einige Reedereien verstärken Ihre Carriers-Haulage Aktivitäten und versuchen zunehmend sich auch im traditionellen Merchant – Haulage Markt Österreich als Integrators zu profilieren. Davon profitieren derzeit insbesondere die East Med-Häfen.

Gleichzeitig gibt es aber auch erfreuliche Entwicklungen Pro-Rotterdam. So soll ab Anfang Mai die Ostschweiz und Wolfurt/Österreich und Rotterdam mit mehr direkten Rail-Shuttle Verbindungen verbunden werden. Und auch Untersuchungen zu Rail Verbindungen zwischen Tirol/Österreich und Rotterdam sind in einem fortgeschrittenem Stadium.

Wie sind die aktuellen Wirtschaftsaussichten?

Die aktuelle wirtschaftliche Situation unterstützt politische Überlegungen in Richtung Diversifikation, Near-Sourcing sowie Regional Supply. Die Intermodalen Seehafenverkehre per Bahn für Container reduzierten sich in den letzten Wochen um rund 30%. Dies in Verbindung mit aktuell rund 38% reduzierter Kapazität im Asia – North Europe Trade führt aktuell zu einer angespannten Situation im Leercontainerbereich und erschwert die balancierte Auslastung der Shuttle-Systeme, gerade im stark fragmentierten Markt Österreich. Im Bulk-Bereich macht sich zunehmend auch die andauernde Trockenheit bemerkbar, was zu erschwerten Bedingungen und höheren Kosten bei Transporten auf der Wasserstraße Donau führt. Die Vorhersagen verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten einen wirtschaftlichen Re-Bound eher und frühestens erst ab dem 3. Quartal 2020.

Insgesamt gesehen hat sich Österreich jedoch sowohl politisch, wirtschaftlich als auch medizinisch als durchaus Robust gezeigt und bietet sich dadurch in Zukunft noch mehr und verstärkt für Investitionen oder Central Eastern European Hauptsitze an.

Die Österreichischen Nachbarländer wie Ungarn, die Slowakei oder Tschechien scheinen von der aktuellen Situation mindestens ebenso schwer betroffen zu sein wie Österreich. Hier macht sich u.a. die überproportionalen Abhängigkeiten von z.b. dem Automotive Sektor aktuell stark bemerkbar. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Slowakei weltweit die Nummer 1 bei den Produktionszahlen pro Kopf ist? Auf 1.000 Einwohner kommen pro Jahr 202 gefertigte Autos.

Nachdem zu Beginn der Krise primär der Handel (also z.b. Importe von Textilien oder Elektronik) betroffen wurde, brachen im April die österreichischen Exporte um rund 27 % ein. Hier waren Autozulieferer ebenso betroffen wie z.b. Lebensmittelexporte oder die Holz und Papierindustrie.

Die regionale Aufteilung der Exporttätigkeit in den ersten beiden Monaten zeigt, dass der Einbruch breit gefächert war. Die Exporte in den Euroraum gingen um 6,4% zurück, wobei die Ausfuhren nach Frankreich mit -35% am stärksten betroffen waren. Dies ist auf die schon in der Vergangenheit öfters beobachteten starken Schwankungen bei den Ausfuhren von pharmazeutischen Produkten zurückzuführen. Die Ausfuhren in die restlichen Euroraumländer gingen mit Ausnahme der Exporte nach Spanien (-18,6%) nur leicht zurück (Deutschland: -1,9%, Italien: -0,6%). Von den Ausfuhren in Nicht-Euroraumländer waren die stärksten Rückgänge bei den Exporten nach Schweden (-18,3%), UK

(-16,7%) und in die USA (-6,2%) zu verzeichnen. Die Ausfuhren nach China stiegen um 34,2%. Nach Gütergruppen betrachtet, waren die stärksten Rückgänge bei chemischen Erzeugnissen (-14,1%), bearbeiteten Waren (-6,7%) und Maschinen (-5,2%) zu beobachten. Zuwächse gab es bei Exporten von Nahrungsmitteln (+7,4%) sowie bei Brennstoffen und Energie (+0,2%).

Die Spedition- und Logistikwirtschaft sich aktuell immer noch mit massiven Volumens Rückgängen konfrontiert. Dazu passt ein Statement von Alfred Wolfram, Obmann des Fachverbandes Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Österreich: „Besonders besorgniserregend ist für mich, dass nur etwa ein Viertel aller befragten Unternehmen angab, über einen ausreichenden Auftragsbestand zu verfügen. Diese Zukunftsprognose ist äußerst bedenklich und wirft einen Schatten bis ins Jahr 2021.“

Für den Rotterdamer Hafen bedeutet dies einen erhöhten Wettbewerb in einem stark fragmentierten Markt. Positiv zu erwähnen ist hierbei die erhöhte Frequenz der Container-Shuttles zwischen Wolfurt (Vorarlberg) und Rotterdam in Verbindung mit einem zusätzlichen Stop in Frenkendorf (Schweiz).

Über den Verfasser

Franz Zauner arbeitet seit 16 Jahren für den Hafenbetrieb Rotterdam und über 30 Jahre für Rotterdamer Logistikbetriebe im Bereich Short Sea, Deep Sea, Inland Shipping und Rail. Davon 25 Jahre als Selbstständiger Unternehmer.

Auf die Frage nach der größten Ähnlichkeit zwischen der Bedeutung des Rotterdamer Hafens für österreichische Verlader und Spediteure antwortet Franz: Der Hafen Rotterdam wird als hoch-innovativer und stabiler Marktplatz und Partner bei der österreichischen Industrie sowie des Logistiksektors war genommen. Die hohe Anzahl der Schiffsanläufe, die modernen Umschlagsanlagen sowie das Engagement der Rotterdamer Business Community wird geschätzt.

Und wie kann er einen Verlader aus Österreich davon überzeugen, Fracht über Rotterdam statt über andere Häfen zu verschiffen? Wie immer geht es darum die Angebote und Möglichkeiten rasch und im Detail den österreichischen Partnern nahe zu bringen. Dies wird durchaus geschätzt.