Über Rotterdam nach München: Anhänger künftig auf der Schiene
Der Transport zwischen den Niederlanden und Süddeutschland erfolgte fast selbstverständlich über die Straße. Doch Unternehmen suchen immer häufiger nach Alternativen. Dank einer Zusammenarbeit zwischen der Outdoor Life Group (OLG) und Bos Dynamics werden Anhänger seit Mai über Rotterdam per Bahn in Richtung München transportiert, wo sie ihre Reise zu Zielen in Deutschland und Österreich fortsetzen.
Für OLG, einen Anbieter von unter anderem Holzprodukten, Garagentoren und anderen Langgütern, sowie den Logistikdienstleister Bos Dynamics war die Herausforderung klar: Wie können Transporte von und nach Süddeutschland effizienter organisiert werden, ohne bei der Zuverlässigkeit Kompromisse einzugehen? „Wir prüfen kontinuierlich Möglichkeiten, unsere Lieferkette intelligenter und nachhaltiger zu gestalten“, sagt Jelle Poldervaart, Site Manager bei OLG. „Durch die Zusammenarbeit mit Bos Dynamics, HPEI und RSC können wir unseren Frachtstrom effizienter organisieren und gleichzeitig unseren CO₂-Fußabdruck erheblich senken.“
Die beteiligten Parteien fanden eine Lösung im Bayern Express, einer bestehenden Bahnverbindung zwischen Rotterdam und München. Anhänger werden per Lkw zum Rail Service Center Rotterdam (RSC Rotterdam) geliefert, anschließend per Bahn nach Süddeutschland transportiert und dort weiter über die Straße an ihren Endbestimmungsort befördert. Auch der Rückstrom verläuft über denselben Korridor. Die Verbindung wird vom Bahnbetreiber Hutchison Port Europe Intermodal (HPEI) bereitgestellt. Dank dieser Entscheidung wird ein erheblicher Teil der Strecke von der Straße auf die Schiene verlagert, was zu weniger Straßenkilometern und einem geringeren CO₂-Ausstoß führt.
Die Stärke bestehender Hinterlandverbindungen
Für die Verbindung war keine neue Infrastruktur erforderlich. Die Herausforderung lag vor allem in der Organisation der Lieferkette und der Abstimmung der Prozesse zwischen Verlader, Transporteur, Terminal und Bahnbetreiber. Gilbert Bal, Business Manager bei der Port of Rotterdam Authority: „Genau darin liegt die Stärke von Rotterdam. Der Hafen verfügt über ein ausgedehntes Netz von Bahnverbindungen zu Wirtschaftszentren in Europa. Dadurch können Unternehmen relativ einfach an bestehende Hinterlandkorridore anschließen und intermodale Lösungen in ihre Lieferkette integrieren.”
Die Verbindung nach München zeigt, wie Güter über Rotterdam effizient ihren Weg nach Süddeutschland und darüber hinaus finden. Für Unternehmen, die in diesem Korridor aktiv sind, bietet dies konkrete Möglichkeiten, ihre Logistikprozesse zukunftssicher zu gestalten.
Anpassung von Prozessen
Die Umstellung auf Schienentransport geschah nicht von heute auf morgen. Operative Prozesse wurden eingerichtet, Logistikströme mussten aufeinander abgestimmt werden und die Bahnverbindung wurde in die bestehende Supply Chain integriert. Die beteiligten Parteien entwickelten gemeinsam eine Arbeitsweise, die verhindert, dass Anhänger Verspätungen erleiden oder nicht auf den Zug verladen werden können. Diese sorgfältige Vorbereitung sollte sicherstellen, dass die Bahnverbindung von Anfang an direkt operativ einsetzbar war.
Bereit für weiteres Wachstum
In der Anlaufphase wird mit einem Pool von zehn Anhängern gearbeitet. Wöchentlich fahren vier Anhänger von Rotterdam in Richtung München und vier Anhänger kehren in die Niederlande zurück. Wenn die Ergebnisse positiv bleiben, wollen die beteiligten Parteien den Betrieb ausweiten. „Für zukünftige Verlader und Transportunternehmen, die auf dem europäischen Markt aktiv sind und Anhänger-Transporte derzeit auf der Straße anbieten, zeigt dieser Praxis-Case, dass es ein deutliches Signal für andere Möglichkeiten als nur den Anhänger-Transport auf der Straße gibt“, sagt Peter Schilte, Sales/Customer Service bei RSC Rotterdam. „Es werden derzeit nur kranbare Anhänger per Shuttle nach München transportiert, aber sollten zukünftige Verlader oder Transportunternehmen auch nicht-kranbare Anhänger per Shuttle transportieren wollen, ist dies sicherlich verhandelbar.“ Durch die Nutzung bestehender Bahnverbindungen können Unternehmen ihre Abhängigkeit vom Straßentransport verringern, Kosten kontrollieren und Nachhaltigkeitsziele unterstützen.
Das Projekt ist dank einer intensiven Zusammenarbeit zwischen OLG, Bos Dynamics, HPEI und RSC Rotterdam zustande gekommen. Darüber hinaus spielte Joint Corridors Off Road Zuid-Holland, unterstützt durch die Provinz Südholland, eine Rolle. Die Zusammenarbeit beweist, dass Anhänger per Bahn über Rotterdam nicht nur eine theoretische Möglichkeit sind, sondern eine funktionierende Lösung in der Praxis. Und das macht diesen Case relevant für jede Organisation, die ihren Frachtstrom intelligenter organisieren und gleichzeitig die Verbindungen zwischen Rotterdam und dem europäischen Hinterland optimal nutzen möchte.